Größerer Unsinn kann wohl nicht leicht in vier Zeilen gesagt werden!

Besonders stark in derartigen Schauspielen waren die Jesuiten; wenn sie sich auch von solchen plumpen Dummheiten frei hielten; so ersetzten sie dieselben reichlich durch mehr innerliche. Ein sehr schönes, originelles Stück ist des Paters Sautter "Genius der Liebe", und ein Theaterdirektor könnte heutzutage sein Glück machen, wenn er diese brillante Oper, mit Offenbachscher Musik, auf die Bühne brächte.

Heilige Jungfrauen (aus meinem zweiten Kapitel) bringen dem Genius
"Gaben der Liebe" in goldenen Schalen. Der Genius singt:

Genius Nun! was bringt mir, liebe Bräute,
Euer Galantismus heute?

St. Luzia Herr! dir zum süßen Augenschmaus
Stach ich mir selbst die Augen aus.

St. Euphemia Für dich, o Herr, zur Morgengab',
Schnitt ich mir Nas' und Lefzen ab.

St. Apollonia Viel weißer als das Elfenbein
Siehst du hier Zähne, Jesus mein!

St. Magdalena Ich bringe dir zum Opfer dar
Meine schöne blonde Haar;
Nimm auch von mir verschreiten Musch
Den roten und den weißen Tusch.

Chor Pupillen,
Mamillen
Und Zähne schneeweiß!
Jungfräulich Haar',
Nasen und Lefzen und mehr solche War'
Steh'n, heilige Liebe, hier alle dir preis!

Die Prozessionen sind auch eine Erfindung der Mönche, und ihr seltsamer Geschmack verwandelte sie in die seltsamsten, abenteuerlichsten und lächerlichsten Possenspiele. Besonders bunt und toll waren die am Karfreitag und am Fronleichnamsfest. Alle Personen aus dem Alten und Neuen Testament erschienen in entsprechendem Kostüm - natürlich nach mönchischer Anordnung und Angabe - im Zuge. Wie im wilden Heer wirbelte der tollste Maskenzug, Menschen und Tiere durcheinander, die Straße entlang. Jede Gruppe sang ihr eigenes Lied, und dem Zuschauer wurde ganz schwindlig dabei. Nahm er aber nicht andächtig den Hut ab oder unterstand er sich gar, über den tollen Spuk zu lachen, dann konnte es ihm leicht sehr übel ergehen, denn die Geistlichen ermahnten selbst von der Kanzel herab, die Spötter zu züchtigen.