"Ich will sehen," sprach er, "ob eure Sünden Euch leid sind. - Wem es mit der Buße Ernst ist, der hebe die Hand in die Höhe." - Alle Hände reckten sich in die Höhe. - "Nun, heiliger Michael, der du mit deinem Flammenschwert am Thron des Ewigen stehst, haue alle die Hände ab, die sich in Heuchelei erheben!" - und alle Hände sanken wie mit einem Schlage herunter. Nun aber begann Rocco eine furchtbare Strafpredigt und schloss dieselbe mit Erzählung einer Vision oder eines Traumes, in welcher er durch eine Abtrittsöffnung tief, tief hinuntergesehen auf eine ungeheure Schar von Lazzaronis, die der Teufel sich alle hinten hineingesteckt habe in eine Öffnung, die so groß gewesen sei wie der See Agnano.

Die römische Kirche zählt unter ihren Mönchspredigern so viele originelle Leute, dass ich nur einige wenige anführen kann. - Ein Kapuziner hatte sich von einem anderen eine Passionspredigt machen lassen; sie schloss: "Und Christus verschied." Dieser Schluss schien dem Pater doch gar zu dürftig, und er fügte noch schnell hinzu: "Nun, Gott sei dem armen Sünder gnädig!"

Der Liebling des Würzburger Publikums am Ende des vorigen Jahrhunderts und einer der größten Feinde der Aufklärung war der achtzigjährige Kapuziner Pater Winter. Eine Rosenkranzpredigt schloss er einst mit folgender Frage: "Wer sind die Neuerer?" - sehr lange spannende Pause ß "Esel sind sie, Amen!"

Ein Franziskaner hielt 1782 bei Einkleidung einer Nonne zu Gmünd eine Predigt, die von ganz Deutschland mit vielem Lachen gelesen wurde. Besonders komisch ist der Schluss: "Nun, geistliche Braut, seien Sie ein junger Affe, der seiner Mutter, der würdigen Frau Oberin, alles nachäfft - äffen Sie nach dem alten Affen in Tugenden, Kasteiungen und Bußwerken, - äffe nach, du junger Affe, ihre Keuschheit, Demut, Geduld und Auferbaulichkeit! - Und Sie, würdige Oberin! gleichen Sie dem alten Bären, der ein ungelecktes Stück Fleisch so lange leckt, bis es die Gestalt eines jungen Bären hat; - lecke, du alter Bär, gegenwärtiges geistliches Stück Fleisch so lange, bis es dir vollkommen ähnlich ist; - lecke du auch dein ganzes Konvent, samt allen Kost- und Klosterfräuleins! - Lecke, du alter Bär, die sämtliche Familie der geistlichen Braut und alle hier in dem Herrn Versammelten; - zuletzt lecke auch mich, damit wir alle wohlgeleckt und gereinigt den Gipfel der Vollkommenheit erreichen mögen. Amen!"

Eines der originellsten Predigertalente war aber wohl der sogenannte Wiesenpater zu Ismaning in Bayern, der vor hundert Jahren lebte. Seine Rosenkranzpredigt: "Der heilige Rosenkranz über'waltigt d'Höllenschanz" und seine Schwanzpredigt sind höchst komisch. Die Letztere sollte bewirken, dass die Bauernburschen sich nicht mehr, wie sie zu tun pflegten, Sauschwanz schimpften, sondern beim Namen nannten. In ihr kommt folgende Stelle vor: "Warum, meine Christen, ist gewachsen dem Hund sein Schwanzerl? Dem Hund sein Schwanzerl ist gewachsen, damit er wedle und wackle, dass ihm nicht fahren die Mucken ins Loch. - Wir Geistlichen sind aber die wahren Schwanzerl, wir müssen wedeln und wackeln, damit nicht fahren die Seelen der gläubigen Christen ins Loch des Teufels!"

Wenn nun auch einzelne Spötter über solche Mönchspredigten lachten, so waren sie doch von Wirkung auf das Volk und dem Bildungsgrad derselben angemessen. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so hätte Luther gewiss nicht in derselben Weise gepredigt. Einst predigte er über die letzte Posaune: "So geht es in die Feldschlacht; man schlägt die Trommel und bläst die Trompete Tara-tan-ta-ra! - man macht ein Feldgeschrei Her! Her! Her! - der Hauptmann ruft Hui-Hui-Hui! Bei Sodom und Gomorrha waren die Trompete und Posaune Gottes, da ging es Pumperlepump-Plitz-Platz-Schein! - Schmier! Denn wenn Gott donnert, so lautete es schier wie eine Pauke Pumperlepump - das ist das Feldgeschrei und die Taran-tan-tara Gottes, dass der ganze Himmel und alle Luft wird gehen Kir-Kir-Pumperlepump!" - Nun denke man sich dazu die Gebärden des heftigen Mannes und bewundere die Zuhörer, welche zitterten und bebten und nicht lachten!

Von den evangelischen, protestantischen, lutherischen und anderen nichtrömischen Predigern hört man auch zuzeiten Unsinn, welcher dem vorangeführten nicht viel nachgibt. Ich kannte einen Garnisonsprediger Ziehe in Berlin, der sehr häufig in Knittelversen predigte. Meistens reden die Herren aber langweilen Unsinn.

Hätten die Mönche weiter nichts getan als schlechte Schauspiele aufgeführt und verrückte Predigten gehalten, dann könnte man ihnen ihr Dasein allenfalls verzeihen, allein sie übten einen unendlich unheilvollen Einfluss dadurch, dass sie sich der Erziehung des Volks bemächtigten und über die Schule hinaus demselben Laster einimpften, die in den Klostermauern ausgebrütet wurden und in denselben die größten Schandtaten und Niederträchtigkeiten hervorbrachten, die in der "Welt" sicher sehr selten vorkommen und dann mit den härtesten und entehrendsten Strafen, die das Gesetz vorschreibt, bestraft werden.

Wer von den Klostergeistlichen nichts weiter kennt als ihre Lächerlichkeiten, der ist gar leicht geneigt, sie für harmlose Dummköpfe zu halten; wer aber tiefer in das Klosterleben hineinsieht, der entsetzt sich vor der Bosheit und Verworfenheit dieser "frommen" Herren, die in echt römisch-katholischen Ländern noch heute den größten Einfluss haben.

Mönche zu Lehrern des Volkes zu machen, ist das schwerste und verderblichste Unrecht, welches man an demselben begehen kann und unbegreiflich bleibt es, dass die Erfahrungen von Jahrhunderten darüber noch nicht genügend aufgeklärt haben und dass in vielen Ländern Europas das Schulwesen mit dem Mönchswesen auf das engste verbunden und selbst in protestantischen Ländern von der Kirche abhängig gemacht worden ist.