Minder geistreich, wenn auch ebenso einfach, ist jenes Franziskaners
Erklärung der Dreieinigkeit, die er vergleicht mit Hosen, die zwar drei
Öffnungen hätten, aber doch nur ein Stück wären.
Maria wurde Veranlassung zu unendlich vielen Zänkereien zwischen den Gelehrten und Pfaffen. Besonders heftig war der Streit über "die befleckte oder unbefleckte Empfängnis der Jungfrau"; das heißt nicht darüber, ob Maria Jesus ohne Verlust ihrer physischen Jungfrauschaft empfangen habe - denn darüber war man ziemlich einig - sondern ob sie selbst von ihrer Mutter auch "ohne Erbsünde" empfangen sei oder nicht. Die Dominikaner sagten mit, die Franziskaner ohne Erbsünde und stritten jahrhundertelang darüber mit Waffen aller Art. Noch im Jahr 1740 machten gelehrte Männer diese Dummheit zum Gegenstand ihrer ernsthaften Untersuchung, und der gegenwärtige Papst hat sie zu einem Dogma der Kirche erhoben!
Die heilige Jungfrau ist sehr empfindlich in dieser Hinsicht und rächte sich an denjenigen, welche an ihrer unnatürlichen Entstehung zweifelten. Ein Fall solcher Rache wird von den Franziskanern mit Triumph erzählt. Ein Dominikaner predigte mit größter Heftigkeit gegen die unbefleckte Empfängnis und forderte gleichsam die "Himmelskönigin" heraus, ein Zeichen zu geben, wenn es nicht wahr sei, was er geredet. Kaum hatte er diese Lästerung ausgesprochen, als der Boden der Kanzel brach und der dicke Pater bis zur Mitte des Leibes hindurchfiel. Der Oberkörper mit der Kutte blieb oben, so dass die hosenlose Vorder- und Hinterfront der unteren Etage des geistlichen alten Hauses der Betrachtung und dem Gelächter seiner Gemeinde preisgegeben war.
Die Art und Weise, wie Maria Jesus empfangen habe, war auch ein Gegenstand großen Kopfzerbrechens. Einige meinten, es sei durch das Ohr geschehen, andere meinten durch die Seite. Dann zankte man sich auch sehr darüber, ob Maria noch nach der Geburt Jesu Jungfrau geblieben sei. St. Ambrosius verteidigt diese Meinung sehr hartnäckig und bringt für dieselbe höchst wunderbare Dinge vor. Er sagt unter anderem: "Da er (nämlich Christus) gesagt hat: ich mache alles neu, so ist er auch von einer Jungfrau auf unbefleckte Weise geboren worden, damit man ihn desto mehr für den ansehe, der da ist Gott mit uns. Sie sagen: als Jungfrau hat sie empfangen, aber nicht als Jungfrau geboren. Ist das Eine möglich, so ist auch das Andere möglich. Denn die Empfängnis geht ja vorher und die Geburt folgt nach. Man sollte doch den Worten Christi, man sollte doch den Worten des Engels glauben, dass bei Gott kein Ding unmöglich sei (Lukas 1,37). Man sollte dem apostolischen Symbolum glauben. Sagt ja der Prophet, eine Jungfrau werde nicht nur empfangen, sondern auch gebären (Jesaja 7,14). Jene Pforte des Heiligtums, welche verschlossen bleibt, durch welche niemand gehen wird, als allein der Gott Israels (Ezechiel 44,1.2), was ist sie anders als Maria, durch welche der Erlöser in diese Welt eingegangen ist? Sind doch so viele Wunder gegen die Gesetze der Natur geschehen, was ist's denn Wunder, wenn eine Jungfrau wider den Lauf der Natur einen Menschen geboren hat?" usw.
Maria wurde von allen Kirchenlehrern, welche die Unterdrückung des Geschlechtstriebes predigten, als das höchste unerreichbare Muster des jungfräulichen Lebens aufgestellt und bald von den Mädchen und Weibern weit mehr als Gott verehrt. Dieser Götzendienst war natürlich denen, welche die Lehre Christi rein bewahren wollen, ein Gräuel, und - daher die Opposition gegen Maria.
Helvidius schrieb (383) zur Verteidigung des Christentums ein Buch, in welchem er beiläufig behauptete, dass Maria nach Jesu Geburt noch mit Joseph einige Kinder hatte, wobei er sich sowohl auf Matth. 1, 25 berief, wo es heißt: "Joseph wohnte der Maria nicht bei, bis sie ihren ersten Sohn geboren" wie auch auf andere Bibelstellen, wo oftmals von Brüdern und Schwestern Jesu die Rede ist.
Der heilige Hieronymus geriet außer sich über diese Frechheit. Er schrieb gegen Helvidius und ruft den Heiligen Geist an, "dass er das Quartier des heiligen Leibes, in dem er zehn Monate gewohnt habe, gegen allen Argwohn eines Beischlafes schützen", und Gott Vater, "dass er die Jungfräulichkeit der Mutter seines Sohnes kundtun möge".
Ähnliche Lehren wie Helvidius trug ein römischer Mönch, Jovinian, vor,
und nun entspann sich um die Jungfrauschaft der Maria ein heftiger
Kampf, der damit endete, dass Jovinian und seine Anhänger aus der
Gemeinschaft der christlichen Kirche ausgeschlossen und seine Lehren als
Ketzerei verdammt wurden!
Es ist nicht möglich, ernsthaft zu bleiben, wenn man liest, über welche seltsamen Dummheiten die Geistlichen schrieben und disputierten! Pater Suarez handelt sehr gelehrt die Frage ab, "ob Maria mit oder ohne Nachgeburt geboren habe", und erzählt, dass Fromme verschiedene Speisen in Form der Nachgeburt genossen hätten! - Übrigens ist er ein Antinachgeburtianer, da der Prophet Ezechiel prophezeit habe: "Diese Tür wird verschlossen sein und nicht aufgemacht werden."
Man glaube indessen nicht, dass dieser ekelhafte Unsinn der größte ist, über welchen Pfaffen stritten, und verhöhne nicht die jüdischen Rabbiner, welche ernstlich untersuchten, ob Adam schon mit Stahl und Stein Feuer geschlagen habe? Ob das Ei, welches eine Henne am Festtag gelegt habe, gegessen werden dürfe? Ich kann eine ganze Galerie solcher christlichen Streitfragen anführen, die den erwähnten an Abgeschmacktheit durchaus nichts nachgeben, die mit der größten Erbitterung abgehandelt wurden und wobei es gar häufig zu Schlägereien und selbst Blutvergießen kam.