Konsequenterweise beginnen die Päpste ihre Reihe mit Petrus. Nach ihm nennt man eine Menge zum Teil völlig erdichteter Namen, um nur die Lücken auszufüllen; denn die frühere Geschichte der römischen Bischöfe ist noch dunkler als die der römischen Könige. Es ist zwecklos, diese Herren Stadtpfarrer, denn anderes waren sie nicht, namentlich aufzuführen; ich will mich damit begnügen, nur diejenigen näher zu beleuchten, welche die größeren Schritte taten, dem Gipfelpunkt näherzukommen, nach welchem alle strebten.
Die Reihen der römischen Kaiser, die der asiatischen Despoten, kurz, keine Fürstenreihe der Welt - ja, nicht einmal die chamber of horrors der Madame Toussaut in London bietet solche moralische Ungeheuer dar als die Reihe der Päpste, die sich die Statthalter Gottes nennen. - Aber sie mochten es noch so arg treiben, den verdummten Menschen gingen die blöden Augen nicht auf. Fürsten und Völker ließen sich von diesen ekelhaften Bösewichten das Fell über die Ohren ziehen und küssten dafür den Tyrannen noch demütig den Pantoffel.
Fuhr einmal ein vernünftiger Fürst dem hochmütigen Priester zu Rom über die Glatze, dann schrie das dumme Volk Zetermordio, und war einmal das Volk vernünftig genug, den römischen Anmaßungen entgegenzutreten - dann kam gewiss ein dummer Fürst mit geweihtem Schwert und Hut und wetterte hernieder auf die verfluchten Ketzer.
So kam es denn, dass die Päpste bis auf den heutigen Tag ein Recht ausüben, das ihnen niemand gegeben. Durch eine unerhörte Dreistigkeit, durch die klügste Benutzung der Dummheit der Menschen haben sie sich Schritt vor Schritt in den Besitz desselben gesetzt; denn die Christen der ersten Jahrhunderte waren weit entfernt, ihnen dasselbe einzuräumen. Ein Unrecht kann aber nie ein Recht werden, mag es auch Jahrtausende faktisch bestanden haben und selbst von dem Gesetz anerkannt sein; diejenigen, welche darunter leiden, haben vollkommen recht, sich von dem aufgezwungenen Joch loszumachen, sobald sie können. Dies kann aber ein jeder, sobald er aufgehört zu glauben; tut er das, so ist er schon frei ohne weitere Anstrengung.
Wie schon oben gesagt, hatte vor Ende des ersten Jahrhunderts die römische Gemeinde wahrscheinlich weder einen besonderen Bischof noch eine besondere Kirche. Die armen Christen mussten sich herumdrücken, wie sie konnten, und ihre Ältesten waren gewiss Männer von unbescholtenen Sitten, denen es mit der Lehre Christi ernst war. Das Märtyrertum war ihnen unter den Verfolgungen so ziemlich gewiss, und daraus geht schon ganz sicher hervor, dass sie andere Leute waren als ihre Nachfolger, die keineswegs nach der Märtyrerkrone verlangten.
Der erste römische Bischof, von dem wir wissen, dass er schon mehr gelten wollte als seine Kollegen, hieß Viktor (192 bis 201). Er verlangte sehr ungestüm, dass alle übrigen Christen das Osterlamm zu der Zeit essen sollten, wenn es in Rom geschah, nämlich am Auferstehungstage Jesu, und nicht, wie es die anderen Christen beibehalten hatten, am jüdischen Passahfest, zu welcher Zeit es auch Christus aß.
Die anderen Bischöfe meinten, es rapple dem Herrn Kollegen in Rom unter der Mütze, und von seiner Berufung auf Petrus, der diesen Gebrauch in Rom eingeführt haben sollte, nahmen sie nur so viel Notiz, dass ihm der Bischof Polykrates von Ephesus antwortete: "dass nicht Petrus, sondern Johannes an der Brust Jesu gelegen wäre". Von einer Oberhoheit des Petrus über die anderen Apostel schien man damals, so nahe der Quelle, noch nichts zu wissen, aber tausend Jahre später hatte sich die beharrliche Lüge allgemeinen Glauben verschafft.
Als die Christen in Rom einst zur Bischofswahl versammelt waren, setzte sich zufällig eine Taube auf den Kopf eines Mannes namens Fabianus, und mit echt heidnischem, altrömischem Wunderglauben riefen die Christen: "Der soll Bischof sein!" Seitdem nahm man an, dass der Heilige Geist bei jeder Bischofswahl gegenwärtig sei und sie leite. Das war bequem, denn nun konnte jede dumme Wahl ihm zur Last gelegt werden.
Stephanus, welcher 253 Bischof wurde, war der erste, welcher behauptete: "er sei mehr als die andern Bischöfe, denn er sei der Nachfolger des heiligen Apostels Petrus". Ja, dieses Papstwickelkind ging schon so weit, dass es den asiatischen Bischöfen die Kirchengemeinschaft aufkündigte, weil sie seinen Vorschriften nicht gehorchen wollten.
Diese waren höchlich erstaunt über die Frechheit ihres Herrn Bruders in Christo, und der Bischof Firmilian von Kappadokien äußerte sich in einem den Bischöfen zugeschickten Zirkular wie folgt: "Mit Recht muss ich mich in diesem Punkt über eine so offenbare als unverkennbare Torheit des Stephanus ärgern, welcher sich seines Bischofssitzes rühmt und sich für einen Nachfolger des Apostels Petrus ausgibt."