Das größte Schanddenkmal hat sich Clemens V. durch den nichtswürdigen Prozess gegen den Ritterorden der Tempelherren und den Justizmord der unglücklichen Ritter gesetzt. Er war freilich nur die Katze, welche ihre heiligen Pfoten Philipp dem Schönen lieh, um für ihn die Kastanien aus dem Feuer zu langen. Die Sittenverderbnis unter den Tempelherren war allerdings groß; allein waren etwa die anderen geistlichen Herren und die Päpste selbst reiner?
Übrigens würde ihre Sittenlosigkeit den Tempelherren schwerlich den Hals gebrochen haben; ihr Verbrechen war es, vernünftigere und freiere Religionsansichten zu haben als der andere Kuttenpöbel, und dann - waren sie ungeheuer reich. Indem man ihnen den Prozess machte, schlug man, wie man zu sagen pflegt, "zwei Fliegen mit einer Klappe".
Johann XXII., eines Schuhflickers Sohn, war schon ein Schuft und Betrüger, ehe er den Päpstlichen Stuhl bestieg, und auf demselben vervollkommnete er sich noch in seinen Spitzbubentugenden. Ich habe schon im vorigen Kapitel Erbauliches von ihm berichtet und füge nur noch weniges hinzu.
Er lag in beständigem Streit mit dem deutschen Kaiser Ludwig dem Bayern und dem König von Frankreich. Ersterer wehrte sich zwar tüchtig, "kuschte" aber doch zuletzt, denn "er hatte zwei Seelen, eine kaiserliche und eine bayerische".
Philipp der Schöne aber ließ dem übermütigen Papst sagen, "er werde ihn als Ketzer verbrennen lassen". Leider ist das nicht geschehen; er starb 90 Jahre alt. Er hinterließ außer seinen 33 Millionen, welche die Kirche verdaute, die bekannte schöne Hymne: "Stabat mater dolorosa".
Sein Nachfolger Benedikt XII. war ein herzensguter Mann und man kann ihm weiter nichts zur Last legen, als dass er Papst war. Aber selbst diesen Fehler suchte er nach besten Kräften zu mildern, indem er wenigstens erklärte, "ein Papst habe keine Verwandte", wodurch er seine Vorgänger und Nachfolger beschämte, welche ihre "Neffen" usw. nicht reich genug beschenken konnten. Hohe Personen hielten um seine Nichte an; aber er sagte: "Für ein solches Ross schickt sich nicht solch ein Sattel", und gab sie einem Kaufmann aus Toulouse.
Clemens VI., der Benedikt XII. folgte, war nach dem Ausdruck eines gleichzeitigen Geschichtsschreibers "höchst ritterlich und nicht sehr fromm", welches Letztere man wohl von mehreren "Heiligen Vätern" sagen konnte. Er benahm sich sehr hochmütig gegen Kaiser Ludwig und hatte leichtes Spiel mit dessen Gegner, dem "Pfaffenkönig" Karl IV. Obwohl er selber sehr locker lebte, so hielt er es doch für nötig, die höhere Geistlichkeit wegen ihres liederlichen Lebenswandels abzukanzeln und sagte den Herren unter anderem in seiner Strafpredigt: "Ihr wütet wie eine Herde Stiere gegen die Kühe des Volkes!"
Clemens war sehr prachtliebend, und mit unerhörtem Pomp krönte er Don Sanchez, den zweiten Sohn des Königs von Kastilien, zum König der glücklichen Inseln, wie damals die kanarischen hießen. Beim Krönungszug kam als üble Vorbedeutung ein Platzregen, welcher Papst und König bis auf die Haut durchnässte; und in der Tat wurde auch das Königreich zu Wasser, denn die kühnen Normannen hatten es in Besitz genommen und hielten es fest.
Mit diesem Sanchez hatte Clemens große Absichten. Er versprach ihn an die Spitze eines Kreuzzuges zu stellen und ihm den Titel "König von Ägypten" zu geben. Der Prinz war außer sich vor Dankbarkeit und rief: "Nun, so mache ich Ew. Heiligkeit zum Kalifen von Bagdad!" - So erzählt uns der berühmte Dichter Petrarca.
Philipps des Schönen Beispiel hatte den Päpsten böse Früchte getragen, denn die Kraft des Banns fing an zu erlahmen. Das fühlte Urban V. Ein Erzbischof weigerte sich, einen Mönch zu ordinieren, der ihm von seinem Landesherrn, Bernabò Visconti von Mailand, empfohlen war. Dieser gottlose Mensch ließ den Erzbischof zitieren und sagte zu ihm: "Weißt du nicht, du alter Hurer, dass ich König, Papst und Kaiser in meinem eigenen Reich bin!" Für dieses ungeheure Verbrechen tat ihn Urban in den Bann und belegte sein Land mit dem Interdikt!