Leo verkaufte alles, was nur Käufer fand, und sein Finanzminister
Armellino war der unverschämteste Blutsauger. Einst sagte Colonna von
Letzterem. "Man ziehe diesem Schinder das Fell über die Ohren und lasse
ihn für Geld sehen, was mehr einbringen wird, als wir brauchen."

Leo wurde durch einen plötzlichen Tod aus seinem üppigen Leben hinweggerissen und hatte nicht einmal Zeit, die kirchlichen Sakramente zu empfangen. Dieses gab einem Dichter Veranlassung zu einem Epigramm, welches in der Übersetzung lautet: "Ihr fragt, warum Leo in der Sterbestunde die Sakramente nicht nehmen konnte? - Er hatte sie verkauft."

Leos Ablasskram, von dem ich bereits geredet habe, gab die nächste Veranlassung zur Reformation. Die Geschichte derselben ist unendlich oft geschrieben worden und befindet sich in den Händen des Volks; ich darf sie also als bekannt voraussetzen.

Die gefährliche Lage des Päpstlichen Stuhls hätte einen recht kräftigen Papst erfordert; aber Leos Nachfolger, Hadrian VI. (1521-1523), war dies durchaus nicht. Er war ein bornierter Gelehrter, mehr geeignet, "sich und die Jungens zu ennuyieren", als das lecke Schifflein Petri über Wasser zu erhalten, obwohl sein Vater Schiffszimmermann in Utrecht war.

Seiner Gelehrsamkeit wegen hatte man ihn zum Lehrer Karls V. gewählt, und als sein Zögling Kaiser war, machte man ihn zum Rektor der Universität Löwen. Luther sagt von ihm: "Der Papst ist ein Magister noster aus Löwen, da krönt man solche Esel." Man möchte geneigt sein, dies summarische Urteil zu bestätigen, wenn man liest, dass Hadrian bei den herrlichsten Kunstwerken Roms, wie Laokoon, Apoll von Belvedere usw., mit einem flüchtigen Seitenblick vorüberging, indem er sagte: "Es sind alte Götzenbilder."

Als dieser "deutsche Barbar" zu Fuß nach Rom kam, als er zu seinem Unterhalt täglich nicht mehr als zwölf Taler brauchte und - horribile dictu - Bier dem Wein vorzog, - da machten die Kardinäle sehr lange Gesichter und kamen zu der Einsicht, "dass der Heilige Geist keinen als einen Italiener verstehe".

Hadrian war ein hölzerner Pedant und viel zu ehrlich, als dass man ihn lange auf dem Päpstlichen Stuhl hätte dulden können. Die Satiriker nahmen ihn scharf mit. Der Dichter Berni charakterisierte dieses Papstes Regierung sehr ergötzlich. Die bezügliche Stelle heißt in der Übersetzung: "Eine Regierung voll Bedacht, Rücksicht und Gerede, voll Wenn und Aber, Jedennoch und Vielleicht, und Worten in Menge ohne Saft und Kraft, voll Glauben, Liebe, Hoffnung, das heißt voll Einfalt, - wird Hadrian allgemach zum Heiligen machen."

Hadrian beging ein in den Augen aller Kardinäle und Geistlichen grässliches Verbrechen; er gestand nämlich ein, dass Luther mit seinem Verlangen nach einer Reformation gar nicht so unrecht habe, indem er ehrlich genug war zu schreiben: "Gott gestattete die Verfolgung um der Sünde willen; die Sünde des Volks stammt von den Priestern, die daher Jesus auch zuerst im Tempel aufsuchte, und dann erst in die Stadt ging. Selbst von diesem unserem Heiligen Stuhl ist so viel Unheiliges ausgegangen, dass es kein Wunder ist, wenn sich die Krankheit vom Haupt in die Glieder, von Päpsten in die Prälaten gezogen hat. Wir wollen allen Fleiß anwenden, damit zuerst dieser Hof, von dem vielleicht alles Unheil ausging, reformiert werde, je begieriger die Welt solche Reformen erwartet."

So etwas war unerträglich, und Hadrian "wurde gestorben". Der Jubel der
Römer bei seinem Tode war sehr groß, und sie begingen die
Unschicklichkeit, die Tür seines Leibarztes zu bekränzen und mit der
Inschrift zu versehen: Liberatori Patriae S.P.Q.R. (Der Senat und das
Volk Roms dem Befreier des Vaterlandes).

Damit man nicht in Versuchung kommt, das Schicksal dieses ehrlichen, gelehrten Dummkopfes gar zu sehr zu beklagen, bemerke ich, dass er fünf Jahre lang Großinquisitor in Spanien war und dort 1620 Menschen lebendig und 560 im Bildnis verbrennen ließ und 21.845 andere zu Vermögenskonfiskation, Ehrlosigkeit usw. verurteilte.