Die Kardinäle waren bei der Papstwahl in sechs Parteien geteilt und da keine der andern den Willen tun wollte, rief die größte Zahl der Kardinäle, "dass der Esel aus der Mark Papst sein solle". Kaum wurde der an seiner Krücke einherschleichende Montalto gewahr, dass er die meisten Stimmen für sich habe, als er sogleich seine Krücke wegwarf, sich kerzengerade in die Höhe richtete, bis an die Decke der Kapelle spuckte und mit einer Stentorstimme ein Te Deum anstimmte, dass die Fenster zitterten.
Man kann sich den Schrecken der überlisteten Kardinäle denken. Als der Zeremonienmeister den neuen Papst dem Gebrauch gemäß fragte, ob er die Würde annehme? antwortete er: "Ich hätte noch Kraft zu einer zweiten", und als ihm einer der stolzesten Kardinäle wegen seines guten Aussehens Komplimente machte, sagte er lachend: "Ja, ja, als Kardinal suchten wir gebückt die Schlüssel des Himmelreichs; wir fanden sie und sehen nun aufrecht gen Himmel, da wir auf Erden nichts mehr zu suchen haben."
Einer der Kardinäle, der sich immer für ihn interessiert hatte, wollte seine verschobene Kapuze in Ordnung bringen, aber Montalto wies ihn zurück und sagte: "Tut nicht so vertraut mit dem Papst."
Kardinal Farnese, der dem nunmehrigen Papst niemals recht getraut und ihn stets den Paternosterfresser genannt hatte, äußerte nun zu seinen Kollegen: "Ihr meintet, einen Gimpel zum Papst zu machen; Ihr habt einen dazu gemacht, der mit uns allen wie mit Gimpeln umgehen wird!" - Pasquino erschien mit einem Teller voll Zahnstocher.
Sixtus V. blieb auch als Papst ein strenger Mönch und griff nun mit
Energie in die bisher so jämmerlich schlaff gehandhabten Zügel der
Regierung. Zuerst war er darauf bedacht, das Land von den unzähligen
Räuberbanden zu reinigen, die unter Gregor XIII. so überhand genommen
hatten, dass kein Mensch seines Lebens sicher war. Fünfhundert
Verbrecher erwarteten, wie es bei einem Regierungsantritte gewöhnlich
war, ihre Befreiung; allein Sixtus ließ ihnen den Prozess machen und die
Galgen wurden nicht leer. "Ich sehe lieber die Galgen voll als die
Gefängnisse", pflegte er zu sagen.
Ganz Rom geriet in Entsetzen, denn seine Strenge traf Reiche und Arme,
was man bisher gar nicht gewohnt gewesen war. Graf Pepoli, welcher die
Banditen beschützt hatte, wurde zu Bologna enthauptet, und die Villa des
Prälaten Cesarino ließ der Papst niederreißen, weil sie ein bekannter
Banditenschlupfwinkel war.
"Ich verzeihe", sagte er, "was unter Montalto geschehen ist; aber als Sixtus muss ich dieses Haus niederreißen und einen Galgen an die Stelle setzen." Cesarino wurde vor Angst Karthäuser.
Einer der Bargellos (Landhäscher), die nur zu oft mit den Banditen gemeinschaftliche Sache machten, wollte sich verbergen, als er Sixtus gewahr wurde. Dieser ließ ihn in Ketten legen und gab ihn nur unter der Bedingung frei, dass er ihm innerhalb acht Tagen eine bestimmte Anzahl Banditenköpfe einliefere.
Ja, der Papst ging in seiner grausamen Gerechtigkeitsliebe zu weit, dass er, um Verbrecher zu entdecken, die alten Kriminalakten durchstöbern ließ. Einen gewissen Blaschi, der schon vor 36 Jahren wegen eines Mordes nach Florenz entwischt war, ließ er requirieren und enthaupten.
Diese Strenge gab Pasquino hinlänglich Stoff. Einst sah man an der Bildsäule die Engelsbrücke abgebildet, mit den sich gegenüberstehenden Statuen der Apostel Petrus und Paulus. Petrus war in Stiefeln und Reisemantel. Paulus äußerte sein Erstaunen und fragte nach der Ursache des Reisekostüms, und Petrus antwortete: "Ich will mich fortmachen, denn ich habe vor 1500 Jahren Malchus das Ohr abgehauen."