Clemens nahm indessen nicht Vernunft an; er bestätigte die Jesuiten aufs neue; hatte aber kein Glück damit. Seine deshalb erlassene Bulle wurde in Frankreich durch Henkershand verbrannt und ihre Bekanntmachung in Portugal bei Lebensstrafe verboten. Das bigotte Spanien entschloss sich sogar zu einem kräftigen Schritt. Alle Jesuiten in diesem Land wurden an einem schönen Frühlingsmorgen aufgepackt und - nach dem Kirchenstaat geschickt. Kurz, von allen Seiten wurde Jagd auf dieses gefährliche Ungeziefer gemacht. Der von ihm nun halb aufgefressene Papst - er sollte all die schwarzen Blutsauger ernähren! - trieb es so weit, dass Frankreich große Lust bekam, den Starrkopf zu Rom selbst beim Kragen zu nehmen; aber der Tod rettete ihn vor diesem Schicksal.
Sein Nachfolger Clemens XIV. musste endlich der allgemeinen Stimme Gehör schenken. Am 21. Juli 1773 wurde der Orden der Jesuiten aufgehoben. Dieser Akt verursachte in ganz Europa den ungeheuersten Jubel. Als Clemens die Aufhebungsbulle unterzeichnete, sagte er: "Diese Aufhebung wird mich das Leben kosten." Er kannte seine Leute. Clemens starb an Jesuitengift. Ein Großer in Wien fragte ganz naiv einen Ex-Jesuiten: "Clemens ist tot, nicht wahr, Ihr habt ihm vergeben?" - "Ja, wie wir allen Schuldigen vergeben!" antwortete mit der sanftesten Miene der würdige Schüler Loyolas.
Clemens XIV. war unter 200 Päpsten der beste. Er saß von 1768 bis 1774 auf dem "Stuhl Petri", und wenn es denn doch einmal Päpste geben muss, so wollte ich, er säße noch heute darauf. Mit Vergnügen liest man die Lebensgeschichte dieses Mannes, und ich bedaure nur, dass ich nicht länger bei derselben verweilen kann.
Sein eigentlicher Name war Ganganelli. Er stieg durch seine Talente allmählich zu den höchsten Kirchenwürden und als er, ohne dass er es suchte, Papst wurde, blieb er ebenso einfach, wie er als Mönch gewesen war. Seine Mittagsmahlzeit war ganz bürgerlich einfach, und als die Hofköche über diese Einfachheit jammerten, sagte er: "Behaltet euer Gehalt, aber verlangt nicht, dass ich über eure Kunst meine Gesundheit verliere."
Alle anderen Päpste waren darauf bedacht, ihre Nepoten - d.h. Vettern - zu bereichern; er aber sorgte väterlich für das Wohl seiner Untertanen. Als man ihn fragte, "ob man seiner Familie nicht durch einen Kurier von seiner Erhebung Nachricht geben solle?", erwiderte er: "Meine Familie sind die Armen, und diese pflegen die Neuigkeiten nicht durch Kuriere zu erhalten."
Ganganelli war ein vortrefflicher Mensch in jeder Beziehung und machte eine der wenigen Ausnahmen von dem alten Erfahrungssatz, "dass sich jeder ganz und gar ändere, sobald er Papst werde". Von seiner päpstlichen Gewalt machte er, wo er konnte, den wohltätigsten Gebrauch, und seine Menschenfreundlichkeit und Mildtätigkeit waren unbegrenzt.
Zwei Soldaten wurden zum Tode verurteilt und endlich einer von ihnen begnadigt. Sie sollten nun um ihr Leben würfeln, aber der Papst duldete dies nicht, sondern begnadigte beide, indem er sagte: "Ich habe ja selbst die Hasardspiele verboten." - Ein englischer Lord war von dem Papst so entzückt, dass er ausrief: "Dürfte der Papst heiraten, ich gäbe ihm meine Tochter."
Nachdem Clemens die Sache der Jesuiten drei Jahre lang selbst auf das sorgfältigste geprüft hatte, unterschrieb er die berühmte Bulle: Dominus ac redemptor - die Bullen werden stets nach den Anfangsworten bezeichnet -, wodurch die Jesuiten aufgehoben wurden und damit, wie er wohl wusste, sein Todesurteil. - Schon in der Karwoche 1774 wirkte das Jesuitengift in den Eingeweiden des trefflichen Mannes. Alle Gegenmittel waren wirkungslos; er starb am 22. September. Der Körper war durch das Gift so zerstört worden, dass selbst das Einbalsamieren nichts half. Die Haare fielen aus, und selbst die Haut löste sich vom Kopf, so dass schließlich bei der Ausstellung der Leiche das Gesicht mit einer Maske bedeckt werden musste. -
Schließlich muss ich von diesem Papst noch bemerken, dass er es für unschicklich hielt, die Ketzer an jedem Gründonnerstag zu verfluchen, und dass er daher die früher erwähnte berüchtigte Bulle In coena Domini aufhob. Er schützte alle Männer von Verdienst, mochten sie nun Katholiken oder Protestanten sein. Die Inquisition war ihm ein Gräuel, und schon ehe er Papst war, befreite er manche aus ihren Krallen.
Der dankbare Kammerpächter des Papstes, Giorgi, setzte ihm ein von dem berühmten Bildhauer Canova verfertigtes Denkmal; aber ein weit schöneres und unvergänglicheres errichtete Clemens XIV. sich selbst in der Geschichte.