Blonder Knabe im lockigen Haar,
Traum der Seele, die schuldlos war,
Süsses Jesukindlein!
Singst das eine urewige Lied,
Singst der Menschheit Wiegenlied,
Das ich in Ruhland gesungen.
Liebes lächelndes Brüderlein,
Warum liessest du mich allein?
Warum nur im Traum der Nacht
Darf ich bei dir sein?
Warum sang ich mein Wiegenlied,
Warum sang ich in Ruhland nicht
Unter dem Apfelbaum?
Warum sing ich im Traum der Nacht
Warum sing ich mein Wiegenlied
Ach! so ganz allein?
»Brüderlein in Sünde,
Warum bist du ein Mensch geworden,
Mensch der Zwietracht, Mensch der Schuld?
Warum Brüderlein?
Schau die silberne Saite riss,
Schau dein Herz ist wund,
Kommst du nun zu mir zurück, Brüderlein?«
Klingt so süss und klingt so weh,
Sündenwissend sündenrein,
Wieder mein Kinderstimmchen:
Es ist ein Ton geklungen
Von Ruhland übers Meer,
Es ist eine Saite gesprungen,
Die klingt nicht mehr.
Es ist ein Echo gewandert
Nach Ruhland über das Meer,
Das hat eine Botschaft verkündet
In Reuland über der Wüste,
Nun ist es heimwärts flogen
Nach Ruhland übers Meer,
Da wird ein Lied gesungen
Von Ewigkeit her.
Die Welt ist gut, die Welt ist eins,
Der Traum ist Urmusik.
Und Gott ist Liebe, Sohn, und Geist
Und eins ist Gott und ich.«
Schluss des ersten Bandes der »KUGEL.«
Anmerkungen zur Transkription:
Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen:
p 44: Schwingt der Aquator -> Äquator
p 46: Aber das Jpsesegment zehrt -> Ipsesegment
p 49: Aber mein Frennd -> Freund
p 49: da sind wir wieder beim Ispe -> Ipse
p 53: umschliesend -> umschliessend
p 55: trotz Prüfen, Zählen Messen, -> trotz Prüfen, Zählen, Messen, (Komma hinzugefügt)
Ue wurde im gesamten Text durch Ü ersetzt.
Die Originalschreibweise und kleinere Inkonsistenzen in der Formatierung wurden prinzipiell beibehalten.