Anna Croissant-Rust:
Der Herr Buchhalter
Für Anna Croissant-Rust, die am 10. Dezember 1860 in Dürkheim a. d. Haardt geboren und in München-Pasing wohnhaft ist, lassen sich drei Stufen künstlerischer Entwicklung feststellen. Ihre ersten »Lebensstücke« und Volksdramen sind im Grundton herb, brüchig, grell, aber bereits bewundernswert in ihrer Objektivität und klugen Beobachtung. Ihre »Gedichte in Prosa« verraten ein durchaus eigenes lyrisches Talent, das um seine Form ringt. Danach aber kommt es wie eine innere Befreiung über die Dichterin: wo vordem nur einzelne heitere und ironische Lichter spielten, da bricht jetzt die Sonne des Humors durch und steht sieghaft und erwärmend über den Härten und Unverständigkeiten des Alltags. Keiner unter den heutigen Künstlern hat aus eingeborener tragischer Grundstimmung heraus so ernst und schwer um sein bißchen Heiterkeit und Lebensfrohsinn gerungen wie diese herbe und doch zutiefst herzensgütige Frau. Mag Anna Croissant-Rust von Menschen oder von Tieren erzählen, mag sie uns nach der Pfalz oder nach Tirol führen, mögen die Leutchen ihrer Geschichten in der Kleinstadt die Köpfe zu aller Narretei zusammenstecken oder auf den verschneiten Einödshöfen der Berge gegen die Härte der Natur und des Herzens ankämpfen: immer erhebt uns die tapfere Hand der Dichterin aus den Niederungen des Lebens in die reine Luft geläuterter Menschlichkeit.
L. Adelt.
Der Herr Buchhalter.