Es müsse eine stockfinstre Nacht sein, hatte der Lex gesagt. Da jetzt Neumond eintrete, hätte ich gerade die günstigste Zeit erwischt. Inzwischen hatte mir der Lex auch gesteckt, daß mich, soweit er sich auskenne, das Vronele gar nicht so ungern sehe.

Stockfinstre Nacht war's, als ich mit dem Lex den Weg zum Gschwentnerhof hinauftappte. Schwere Wolken zogen am Himmel. Eine schwüle Sommernacht. Ich stolperte neben dem Lex dahin, der eine kleine Leiter trug.

Endlich kamen wir an den Angerzaun des Gschwentner. Ein Gatterl knarrte. Es ging über weichen Rasen dahin. Das Gehöft war nur in ganz verschwommenen Umrissen gegen den dunklen Nachthimmel zu erkennen. Kein Lüfterl regte sich. Ein paarmal wäre ich bei einem Haar mit dem Schädel gegen einen der Bäume im Anger gerannt.

Jetzt schienen wir zur Stelle zu sein. Wenigstens machte der Lex Halt und lehnte die Leiter gegen die Mauer. Mein Herz klopfte hörbar.

»Da is 's Kammerfensterl vom Vronele!« flüsterte der Lex. »Jatz pass' auf, damit 's nächste Mal 's Fensterln selber kannst!«

Der Lex tat mit der Zunge ein paar Schnaggler, daß es klang wie gedämpftes Peitschenknallen. Dann begann er halblaut mit unterdrückter Stimme zu singen:

Diandl, mach's Riegerl auf,
mach' mir dei' Riegerl auf,
Diandl, mach auf!
Lass' mich nit lang so pass'n
da herunt' auf der freien Gass'n,
Diandl, mach auf!
Diandl, Diandl, kennst mich nit,
oder is dös dei' Fensterl nit? –
Diandl, mach auf! …

Und so ging es noch ein paar Strophen weiter. Nichts rührte sich.

»I will amal z'erst aufisteig'n und a bissel anklopfen!« sagte der Kranzelscheiber Lex leise und stieg im nächsten Augenblick flink wie ein ›Oacherl‹[15] die Leitersprossen empor. Ich hörte, wie er mehrmals klopfte.