»Ich will seine Spur verfolgen,« rief ich, »denn der Ort, an dem wir spazieren gingen, und wo der Groom mit den Pferden wartete, war ein weicher Rasen. Da muß es sich ja zeigen, ob ich mit einem Lebenden oder einem Toten gesprochen habe.«

Ich rannte hin. Keine Spur von einem Pferdehuf! Keine Spur von Ravalettes seltsamen Schuhen! Meine eigenen Fußstapfen waren deutlich zu sehen, aber von denen Ravalettes – nichts. Das Geheimnis wurde immer dunkler, und ich sah auch nicht den geringsten Schimmer einer Erklärung.

Langsam und in Verzweiflung wandte ich meine Schritte wieder nach Paris und fragte dabei unterwegs noch verschiedene Leute, ob sie zwei Männer in der Richtung nach Charonne Vilette oder Mesnilmontant hätten reiten oder einen Schlagbaum passieren sehen. Ich hätte gar nicht erst zu fragen brauchen!

Aber noch war dieses Kapitel teuflischer Zauberei nicht abgeschlossen; denn die nunmehr folgenden Ereignisse stellten alles Vorhergehende weit in den Schatten.


4. Kapitel
EIN MORD

Sie werden sich erinnern, daß ich mich nach meinen fruchtlosen Nachforschungen nach den beiden Reitern und nach den ebenso fruchtlosen Versuchen, die Fußspuren Ravalettes zu finden, wieder auf den Weg nach Paris machte. Ich ging langsam und war in tiefes Sinnen versunken. Als ich die Rue Faubourg du Temple hinunterschritt, verkündete eine entfernte Glocke die vierte Stunde. Mir fiel ein, daß mich einer meiner Pariser Freunde, Baron de Marc, vor acht Tagen schon für heute halb sieben Uhr abends zu einer spiritistischen Séance geladen hatte. Aber da ich noch mehr als zwei Stunden Zeit hatte, beschloß ich, bei d'Emprat vorzusprechen, um zu hören, was während meiner Abwesenheit vorgefallen war.

Ich hatte die Rue Michel le Compte bald erreicht und sah zu meiner Überraschung, daß sich vor dem Haustor eine große Menge staute.

Mit klopfendem Herzen und einem vagen Gefühl von Unruhe und Furcht näherte ich mich einem intelligent aussehenden Mann und fragte ihn mit erheuchelter Gleichgültigkeit nach der Ursache dieser Menschenansammlung.

»Denken Sie sich, mein Herr,« sagte er, »der Teufel und fünf seiner Kobolde sind soeben in diesem Hause gewesen und haben drei oder vier von den Inwohnern in einer bläulichen Flamme durch das Dach entführt. Das ist wahr, meiner Seel'!«