Fig. 150. Decke mit Kartusche ohne Füllstempel, für Franz I. (Brunet.)
Verwandter Art ist die Verzierung eines Bandes in Querformat, die wir in [Fig. 155] nach Techener wiedergeben. Die beiden Monogramme im Mittelfelde werden auf Heinrich II. und seine Geliebte, Diana von Poitiers, gedeutet; indes kann das D auch ebenso gut die Bedeutung von »Deux« haben. Der zum Teil auf der Abbildung sichtbare Rücken ist bereits ohne Bünde hergestellt, aber noch nach der Bundteilung gefeldert, während der Band unter [Fig. 153] auf die Bünde gar keine Rücksicht nimmt; ein langes Schildornament, dem Mittelschilde der Decke in der Zeichnung verwandt, deckt die Fläche nicht völlig, Kopf- und Schwanzende lassen das Kapital in einem abschließenden Nahtornament anklingen.
Wir erwähnten oben des Demetrio Canevari, eines Bücherliebhabers, von welchem ebenso wie von Majoli wenig mehr als der Name bekannt ist. Er war nach einer unbestimmten Überlieferung Leibarzt des Papstes Urbans VIII., und wird vermutlich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts seine Büchersammlung angelegt haben. Die Verzierung der mit seinem Namen oder seinem Bibliothekszeichen bezeichneten Bände ist eine ziemlich einfache; die Ornamente sind mit Linien- und Vollstempeln gedruckt. Es scheint übrigens, als habe Canevari manche Bücher in bereits fertigen Einbänden gekauft — die Bücher kamen zu seiner Zeit allgemein gebunden in den Handel — und diese nur mit seinem Bibliothekszeichen versehen, welches einen Apollo mit dem Zweigespann am Fuße des Parnaß darstellt, augenscheinlich in Nachbildung einer antiken Kamee.[5] Diese Vermutung wird durch einen Canevari im Museum zu Frankfurt a./M. bestätigt, bei dem unter dem aufgepreßten Signet sich noch deutlich ein kleinerer Stempel mit orientalischen Motiven erkennen läßt. Eigentümlich ist allen Canevaribänden, die dem Verfasser dieses Buches zu Gesicht gekommen, ein fehlerhafter Stempel, wie sich aus dem Vergleich von a und b in [Fig. 157] ergibt; bei b fehlt die Spirale des rechtsseitigen Gegenstücks am Rücken des nach oben gebogenen Teiles.
Fig. 151. Italienische Leerstempel.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts traten in der italienischen Buchbinderei eine Reihe neuer Stempelformen auf, die zwar die Arbeit bequemer machten, aber auch die Kunstfertigkeit verringern halfen, die vordem mit wenig Werkzeugen die verschiedenartigsten Flachmuster hervorzubringen im Stande war. Die Formen der Stempel werden krauser ([Fig. 157a]) oder nehmen die Gestalt von Vasen und Urnen an. Auch die Groteske, von der Wanddekoration herübergenommen, findet sich auf Buchdecken ein. Außer den in der gewöhnlichen Weise hergestellten Decken kommen zu jener Zeit auch Einbände mit durchbrochener Lederarbeit nach persischem Muster vor, andere wieder mit einem in die Mitte eingelegten Miniaturgemälde.
Fig. 152. Einbanddecke von Geoffroy Tory. (Sammlung Didot, Gaz. des Beaux-Arts.)