Fig. 183. Niederdeutsche Decke mit großen naturalistischen Blumen. Nach 1650. Düsseldorf, Gewerbemuseum.
Fig. 184. Steirische Decke (Fragment) mit Rosetten und naturalistischen Blumen. Rotes Kalbleder. gr. Folio. Graz, Univers.-Bibliothek.
Einen nicht minder prächtigen Einband mit Rosetten und zierlichem Füllwerk in den durch Bandverschlingungen gebildeten Feldern bewahrt das Leipziger Kunstgewerbemuseum. Den Inhalt bildet eine Bibel in Folio, Lüneburger Druck vom Jahre 1665.
Es verlohnt sich nicht, den deutschen, mit Handvergoldung verzierten Einband über das Ende des 17. Jahrhunderts zu verfolgen. Der frühere Lederband wird mehr und mehr von dem sog. Halbfranzbande verdrängt, bei dem nur noch der Rücken der Handvergoldung den nötigen Spielraum bietet. Die Musterung des Rückens war bisher bedingt gewesen von den hoch liegenden Bünden, und die Verzierung der durch sie abgeteilten Felder bestand gewöhnlich in einem als laufendes Band sich darstellenden oder auch schuppenartig gebildeten Ornament ([Fig. 185]), das mit der Filete gedruckt wurde. Im 18. Jahrhundert kommt, wie schon früher in Frankreich und Italien, der glatte Rücken auf, ohne freilich die bisher üblichen hohen Bünde ganz zu verdrängen.
Fig. 185. Deutsche Rückenfelderverzierungen, mit Fileten gedruckt.
Zum Schluß bleibt uns noch ein Blick auf die Pergamentbände übrig, die in der hergebrachten Weise mit Blindpressung auch noch im 18. Jahrhundert ihr Dasein fristen, dabei von dem Wechsel des Geschmacks in Bezug auf die Zierformen der Platten und Stempel mehr oder weniger berührt werden. (Vgl. das Schlußstück [S. 155] und die Decke [S. 156].) Im 17. Jahrhundert begegnen wir den Versuchen, mittelst farbiger Bemalung dem Pergamentbande einen besonderen Reiz zu verleihen. Die mit Leerstempeln gedruckten Zierformen wurden mit Beiz- oder Lackfarben ausgemalt, und es entstand so eine Art von bunten Einbänden, die meist als Emailbände bezeichnet werden, obwohl sie mit Email nichts zu thun haben. Die großen naturalistischen Blumen erinnern dabei an die sog. Bauernmajolika. Diese bunten Pergamentbände kommen vorzugsweise bei den damals üblichen Brautbüchern vor.