Die Bünde, meist Doppelbünde aus starkem Leder oder Hanfschnüren (s. oben [S. 31]) wurden bei Verwendung der Holzdeckel in ersterem Falle ins Holz eingelassen und mit einem Holzpflock weiter befestigt, im anderen Falle zog man die Schnüre zweimal durch den Deckel und verkeilte die Löcher; soweit die Bünde im inneren Deckel lagen, ließ man sie ebenfalls ins Holz ein. Die Deckelkanten wurden an der inneren Seite abgeschrägt.
In der heutigen Buchbinderei kommen verschiedene Sorten von Pappdeckeln zur Verwendung. Die beste, zäheste ist die in England für besonders feine Bände verwendete, in den Papierfabriken aus alten Schiffstauen hergestellte Tauenpappe von sehr dunkler Färbung. Dieser am nächsten steht die unter dem Namen Spalt- oder Speltdeckel bekannte graue Buchbinderpappe, während die gelbe Strohpappe, spröde und brüchig, nur für geringere Einbände Verwendung findet. Außerdem sei die Holzpappe und die Lederpappe erwähnt; beide Sorten finden mehr für Kartonagen, weniger für Einbandzwecke Verwendung.
Nur selten wird heute noch die Pappe mit dem Messer am Lineal auf dem »Schneidebrett« zugeschnitten; rascher und einfacher, wenn auch nicht immer zuverlässiger, arbeitet die Pappschere, deren Einrichtung aus unserer Abbildung hervorgeht. ([Fig. 52].)
Die Deckel werden entweder unter Zurechnung der Kantenbreite zum Buche »passend geschnitten« oder aber man richtet sie etwas größer zu, befestigt sie erst am Buche und schneidet sie nachher passend; der Fachmann nennt dies »Formieren«. Ober- und Unterkanten sollen je nach Größe und Dicke des Bandes 3–5 mm überstehen, während die Vorderkante meist noch einen mm breiter gelassen wird.
Vor der Befestigung der Deckel am Buche, welche Arbeit das »Ansetzen« heißt, werden dieselben für alle besseren Bände mit Papier beklebt, »gefüttert«, und zwar Halbfranzbände auf der inneren Seite allein, Ganzlederbände auf beiden Seiten. Das Papier, stets mit Kleister aufgeklebt, wird am hinteren Rande, der »Ansatzkante«, umschlagen, damit dieselbe sich nicht staucht.
In Frankreich und England wird, abweichend von der deutschen Weise, das geleimte und gerundete Buch vor dem Beschneiden angesetzt und mit den Deckeln beschnitten; wir kommen später hierauf zurück.
Fig. 52. Pappschere von Chr. Mansfeld in Leipzig.
Man kann die Deckel auf dreierlei Weise ansetzen: »durchziehen«, »auf tiefen Falz ansetzen«, »auf die Bünde ansetzen«; das Durchziehen geschieht auf folgende Weise: 1 cm von der Ansetzkante entfernt wird mit dem Zirkel eine Linie hergestrichen und auf dieser die Durchstichstellen für die Bünde markiert; der Deckel wird dazu auf dem Buche genau in die Lage gebracht, welche er am fertigen Buche haben soll. Das Durchstechen geschieht mit einer spitzen Ahle und in schräger Richtung nach der Vorderkante zu. Alsdann wendet man den Deckel um und sticht etwas rechts seitwärts und 1 cm weiter zurück zu jedem Bunde ein zweites Loch in derselben Weise. Die Bünde, deren lose Enden nicht unter 7 cm lang sein dürfen, werden zunächst in ganzer Länge gekleistert, einige Male durch die Finger gezogen, spitz gedreht, dann einer nach dem andern durch das erste Loch nach innen, und durchs zweite wieder nach außen gezogen, während der Deckel aufrecht im Falz steht. Indem man nun das Buch dicht vor sich nimmt, zieht man die Bünde bei noch hochstehendem Deckel kräftig heran, legt den aufgeschlagenen Deckel auf eine Metallplatte und klopft die Bünde von beiden Seiten des Deckels mit dem Hammer gut nieder; das überstehende Ende wird glatt abgeschnitten und der Deckel vorsichtig zugelegt. Das Buch wird alsdann gewendet und die andere Seite genau ebenso behandelt. Damit später die Deckel sich gut und frei auflegen, wird schon vor dem Abpressen eine Lage Makulatur vor den Endbogen leicht angeklebt und bis zum Fertigmachen des Bandes mit bearbeitet; es ist dies unbedingt notwendig, denn nur so ist der wirklich schöne Falz zu erlangen, den wir mit Recht an englischen und französischen Bänden bewundern.