Über die Behandlung von Kalikobänden ist folgendes zu bemerken. Der Kaliko wird mit dem Messer und dem Lineal zugeschnitten, und zwar groß genug, damit die Einschläge später unter dem aufzupappenden Vorsatz gleichmäßig in der Breite von ½ cm zu sehen sind. Einzelne Fäden, rauhe Stellen oder gar schräg geschnittene Einschläge dürfen nicht zu sehen sein. Das zugeschnittene Stück wird mit Leim angeschmiert, das Buch aufgelegt, der Kaliko angerieben und scharf eingeschlagen. Die Ecken werden mit der Schere schräg abgeschnitten, jedoch so, daß noch genug zum Einkneifen stehen bleibt; die Einschläge sollen sich an den Ecken nicht mehr als 2 mm decken.
Halbfranzbände werden, sobald der Rücken ganz trocken ist, mit Papier oder Kaliko überzogen. Ehe dies geschieht, wird das Leder am Rücken her und an den Ecken abgeschnitten. Mit dem Zirkel wird von der Vorderkante nach dem Leder zu die Breite des zu überziehenden Stückes abgestochen und durch einen Falzbeinstrich markiert; ebenso werden die Ecken mit Hilfe einer kleinen, auf die Ecke gelegten Schablone gleichmäßig gestrichen. Auf diesen Marken wird aus freier Hand mit einem scharfen Messer das Leder schräg nach der Mitte zu eingeschnitten und das Überstehende abgezogen. Der Überzug ist so zuzuschneiden, daß er auf allen Seiten — also am Rücken und den Ecken — ans Leder anstößt, dasselbe aber nur soweit deckt, als es schräg abgestoßen ist. Vor dem Zuschneiden des Papieres (meist marmoriert, seltener einfarbig und gepreßt) hat man zu überlegen, wie sich der einzelne Bogen am vorteilhaftesten einteilt. Für den Einschlag rechnet man nicht über 2 cm an den Vorder- und Oberkanten zu. Der Schnitt wird mit einem scharfen Messer am Lineal oder Winkel ausgeführt.
Das Ausschneiden der Ecken erfordert besondere Sorgfalt. Am zweckmäßigsten ist es, ein Überzugsteil dem Bande an das Leder anstoßend aufzulegen mit der erforderlichen Zugabe für den Einschlag. Die beiden unteren Ecken werden nach oben zurückgeschlagen und an den Stellen, wo sie an die Lederecken anzustoßen haben, wird ein scharfer Bruch gemacht. Streicht man nun mit der Hand scharf über die drei Kanten nach unten, indem die andere Hand das Blatt unverrückbar festhält, so erhält man eine genaue Marke, nach welcher das Ausschneiden der Ecke zu erfolgen hat. ([Fig. 55].)
Die zugeschnittenen Überzugsteile werden nun mit Leim »angeschmiert«, zu welchem Zwecke sie genau geradegestoßen auf einer Unterlage, der »Anschmierpappe«, aufgelegt werden. Zweckmäßig dafür sind dicke, nicht zu große Pappen, die mit Papier, besser noch mit Wachstuch bespannt werden; ist das Papier wiederholt benutzt, so wird es von den Deckeln abgenommen, eingeweicht und der Leim ausgekocht. Von Wachstuch löst sich nach dem Trocknen der Leim von selbst ab. Auch Zinkblech wird als Unterlage zum Anschmieren benutzt mit ähnlichem Vorteil wie Wachstuch.
Nicht alle Bände werden angesetzt, in vielen Fällen werden Buch und Buchdecke gesondert hergestellt und ersteres dann in letztere »eingehangen«. Dies Verfahren wird hauptsächlich bei den in Massen angefertigten Schulbänden eingeschlagen, ebenso bei den Bänden, zu denen der Verleger fertige Decken, »Verlagsdecken«, liefert, ferner auch bei den Photographie-Albums, auf deren Herstellung, da sie in das Gebiet der Portefeuille-Arbeit gehören, hier nicht näher eingegangen werden kann. Hat auch die Kunstbuchbinderei als solche mit der Verlagsdecke wenig zu thun, da diese ein Erzeugnis des Großbetriebes ist, so soll hier doch deren Herstellung der Vollständigkeit halber einen Platz finden.
Deckel wie Rücken werden nach Maßgabe des beschnittenen und abgepreßten Buches passend geschnitten. Der Überzugsstoff, meist Kaliko, wird unter Zugabe des Einschlages zugeschnitten, angeschmiert, Rücken und Deckel unter Berechnung des Falzes aufgelegt, der, je nach Dicke der Deckel, 1½ bis 3 mm beträgt. Die Kanten werden eingeschlagen, das Ganze durch die Anreibemaschine geführt, bei welcher die Decken zwischen zwei Gummiwalzen durchgehen. Sollen »Halbfranzbanddecken« (das Wort ist unrichtig, da ein Halbfranzband und Decken sich gegenseitig ausschließende Begriffe sind) hergestellt werden, so klebt man sowohl die Rückeneinlage als auch die Deckel mit Leim auf dem Lederrücken auf; eingeschlagen wird jedoch mit Kleister, damit die Gelenke nicht spröde werden. Dann werden Ecken angemacht und die Decken in üblicher Weise mit Papier oder Kaliko überzogen.
Fig. 55. Ausschneiden der Überzugsecken.
Soll ein Band in eine solche Decke möglichst haltbar befestigt werden, so ist dazu erstlich ein Kalikofalz im Vorsatz erforderlich, dann aber auch möglichst viele Bünde, bei 8o Format mindestens vier. Überhaupt muß man einen solchen Buchkörper behandeln, als sollte er in Halbfranz gebunden werden. Man macht zunächst aus Papier, besser aus Stoff eine »Hülse«, d. h. man biegt ein Stück Papier oder Stoff, das genau so lang wie der Rücken ist, von beiden Seiten in der Breite des Rückens zusammen, so daß sich die Ränder in der Mitte treffen, wo sie übereinander geklebt werden. Beistehende Figur