Fig. 80. Verschiedene Filetenmuster.
Kehren wir zur Rückenvergoldung zurück, so ist zunächst noch zu bemerken, daß man die Titelfelder auch seitlich mit einer Linie begrenzen, sowie auch die Bundlinien verdoppeln, bez. eine punktierte oder schmale Zierlinie anbringen kann, wie es eben dem Geschmack des Arbeiters oder dem Wunsche des Bestellers entspricht. Nachdem sämtliche Linien vorgedruckt sind, kommt die Reihe an den Titel. Die Titel und sonstigen schriftlichen Bezeichnungen werden aus Schriftsatz gebildet. Die Schriften, d. h. die einzelnen zum Drucken dienenden Buchstaben, sind entweder aus Schriftgut, wie die Buchdruckerlettern, oder in Messing gegossen. Messingschriften sind selbstverständlich vorzuziehen, weil das Metall härter ist und nicht Gefahr läuft zu schmelzen. Die Lettern werden zum Zweck des Druckens in den Schriftkasten gesetzt, der in Deutschland mit sog. Zentralstellung eingerichtet ist ([Fig. 81]), während die ältere Form, bei der die Schrift an einem Ende eingeschraubt wird, nur noch selten gebraucht wird. Vor dem Gebrauch wird jede Zeile mit einem weichen Läppchen abgerieben.
Fig. 81. Schriftkasten.
Die Größe und Art der Schriften, die man im einzelnen Falle verwendet, richtet sich natürlich nach der Größe des Feldes, das mit Titel, Bandzahl u. s. w. zu bedrucken ist. Am besten nehmen sich bei Verwendung lateinischer Schrift (Antiqua) die sog. Majuskeln oder Versalien, Anfangs- oder großen Buchstaben aus, weil sie, abgesehen von der klaren und deutlichen Form, oben wie unten eine gerade Linie bilden. Bei der gotischen Schrift (Fraktur), die nur noch im deutschen und dänischen Sprachgebiet gebräuchlich ist, sind Majuskeln wegen der krausen, schwer lesbaren Form nicht anwendbar. Hauptsache bei einem Titel ist immer, daß er deutlich erscheint. Deshalb sind auch allzu schlanke Lettern (wie in [Fig. 77]), ebenso solche, die mit Zierat überladen oder zu Mißformen umgestaltet sind, vom Übel.
Bei dieser Gelegenheit ist noch zu bemerken, daß Lesezeichen (Interpunktionen) bei Titeln mindestens überflüssig sind. (Auf [Fig. 74] ist ein Punktum und auf [Fig. 76] sind zwei Kommata versehentlich stehen geblieben.) Nur bei Abkürzungen, wie bei [Fig. 74] REC., darf der Punkt nicht weggelassen werden. Ferner sei darauf aufmerksam gemacht, daß ein Rückentitel um so ruhiger und deshalb gefälliger aussieht, je weniger die darauf angebrachten Schriften in der Form der Buchstaben von einander abweichen. Zu empfehlen sind für den Druck auf Leder und Kaliko namentlich die Schriften mit gleichstarkem Zuge, also ohne scharf abstechende Haarstriche. (Vergl. [Fig. 72] und dagegen [Fig. 74], wo der Zusatz »Rec. Frey« einen anderen Schriftschnitt zeigt als der Haupttitel, übrigens auch zu groß gegen jenen erscheint). Bei der Wahl der Schriften hat man noch zu berücksichtigen, daß Titelzeilen von gleicher und annähernd gleicher Länge sich nicht gut ausnehmen, namentlich nicht, wenn sie unmittelbar unter einander stehen. Man hilft sich in gegebenem Falle durch Sperren mit Durchschuß (zwischen die Lettern gesetzten Metallplättchen, auch Spatien genannt) oder durch schmalere, bez. fettere Schriften, nur muß man sich hüten, nicht die Hauptsache durch kleinere oder weniger fette Schrift zur Nebensache zu machen.
Selbstverständlich ist es unmöglich, hier die Regeln für geschmackvolle und verständige Anordnung von Titeln zu erschöpfen, da jeder einzelne Fall besondere Überlegung erfordert. Erst die Praxis schärft den Blick für das Richtige und Angemessene, und nur durch Sehen und Vergleichen gewinnt man die Reife des Urteils, die Schönheit mit Zweckmäßigkeit in vollen Einklang zu bringen weiß.
Jede eingesetzte Zeile wird mit dem Zirkel genau gemessen, das gefundene Maß auf ein schmales Papierstreifchen, und von diesem auf das Titelfeld übertragen. Sind mehrere Bände gleichen Titels vorhanden, so werden diese alle in gleicher Weise vorgezeichnet und blind vorgedruckt. Der Schriftkasten wird natürlich ebenso wie die Fileten vor dem Druck heiß gemacht. Bleischriften kann man natürlich nicht mit über das Feuer bringen, sondern muß sie in den angewärmten Schriftkasten nachträglich einsetzen.