Fig. 86.

Fig. 87.

Fig. 88.

Fig. 86–88. Verschiedene Rücken mit Bundeinteilung.

Von den verschiedenen Einteilungsweisen des Rückens war schon oben ([S. 124]) die Rede. Natürlich sind damit nicht alle Abweichungen erschöpft, sondern nur die hauptsächlichsten Schemata gegeben. Der sog. lange Rücken ist eine englische Bezeichnung und in England zumeist üblich. [Fig. 76] und [77] geben zwei derartige Rücken, die mit Stempeldruckverzierungen versehen sind und in England als herabhängende Rücken bezeichnet werden. [Fig. 75] ist ein filetierter Rücken, bei dem die Fläche zwischen Titel und Schwanz mit einer gemusterten Filete vollständig bedruckt ist. Flächen, die filetiert werden sollen, müssen vorher nach der Breite der Filete ausgemessen werden, damit man mit der letzteren genau auskommt; der ganze Rücken wird mit Eiweiß überfahren, mit Gold aufgetragen und nach dem Druck der Fileten und Titel abgewischt und ausgeputzt.

Die Stempel werden beim Aufdruck etwas anders gehandhabt als die Fileten. Ihre Oberfläche ist leicht nach der Mitte zu gewölbt, so daß beim Aufsetzen nicht die ganze Druckfläche das Leder berührt, die Hand aber im stande ist, nach jedem einzelnen Punkte der Gravierung hin einen kräftigen Druck auszuüben. Größere Stempel werden zunächst mit der Mitte senkrecht aufgesetzt und dann mit der Hand in kreisförmiger Bewegung, ohne von der Stelle zu rücken, zum Abdruck gebracht. Bei kleineren, einfacheren Stempeln genügt das einmalige Hin- und Herbewegen, um einen guten Abdruck zu erzielen. Daß die Stempelabdrücke durchaus gleichmäßig erscheinen müssen, bedarf wohl kaum der Erwähnung.

Um beim Aufsetzen der Stempel auf den Rücken genau Mitte zu halten, zeichnet man, soweit der Stempel reicht, eine Mittellinie vor, die als Anhalt dient. Seitliche Linien (einfache oder doppelte), wie sie bei [Fig. 78] und [79] zur Einrahmung des ganzen Rückens angeordnet und bei Rücken ohne Bundeinteilung üblich sind, streicht man mit dem Falzbein vor und druckt in Gold mit der Rolle nach. Dazu ist es aber nötig, den Band entweder auf ein schräg stehendes Brett mit einer vorstehenden Leiste, ähnlich einem Lesepult, zu legen oder ihn in eine Klotzpresse (vgl. [S. 117]) zu setzen und diese schräg zu stellen.

Feine Halbfranz- und Ganzlederbände erhalten stets erhabene Bünde, die eigentlich an der Stelle sitzen sollten, wo sich auf dem inneren Rücken die Bünde befinden, indes oft ganz beliebig angeordnet werden. Titelfelder ebenso wie verzierte Felder pflegt man mit einer einfachen oder einer Doppellinie einzufassen, die mit kurzen Linienstücken, deren etwa 10 von verschiedener Länge einen Satz bilden, gedruckt werden (sog. Karreedruck). ([Fig. 84–88].) Es empfiehlt sich nicht, das Gold mit den Linienstücken aufzunehmen, da die kleinen Stücke leicht erkalten, ehe man zum Drucken kommt.