Die Grundierung der Decke ist bei der Preßvergoldung wesentlich einfacher als bei der Handvergoldung. Sowohl für Kaliko wie für Leder überfährt man die ganze Fläche mit verdünntem Eiweiß (halb Eiweiß, halb Essig oder Lagerbier); nur bei feinen Lederbänden werden die zu vergoldenden Stellen ausgepinselt. Das Gold wird mit Öl aufgetragen.
Kaliko erfordert einen schärferen Druck als Leder; die Hebelpresse wird demgemäß mit einer daran befindlichen Vorrichtung schärfer eingestellt, ebenso verlangt Kaliko einen größeren Hitzegrad als Leder.
Samt, der freilich nur noch selten vergoldet wird, muß vorerst sehr heiß vorgedruckt werden, damit die Haare wie niedergebrannt erscheinen; dann wird mit der abgekühlten Presse das Gold aufgedruckt. Als Grundiermittel dient Vergoldepulver, das aus zwei Teilen Kopal und einem Teil Dammarharz oder aus ostindischem Kopal und weißem Schellack zu gleichen Teilen — alles fein pulverisiert — besteht. Das Pulver wird mit einer Büchse aufgestäubt, die an Stelle des Bodens mit dünnem Webstoff (Gaze) überspannt ist. Wenn Samt mit der Hand vergoldet werden soll, wird das Gold mit den Stempeln, Fileten etc. aufgenommen; der Hitzegrad darf etwas höher sein, als bei der Eiweißvergoldung; es muß aber etwas langsamer gedruckt werden. Statt mit Pulver kann man auch mit Eiweiß grundieren, doch muß in diesem Falle der Vordruck erst mit gewöhnlichem Lack ausgepinselt werden und ganz trocken geworden sein, ehe man mit Eiweiß nachpinselt. Beim Pressendruck wird die oben ausziehbare Platte des Pressenkopfes mit der angeklebten Druckplatte über Gas oder Spiritus stark erwärmt. Während des Erwärmens wird Gold auf die Platte aufgetragen, dann die Ausziehplatte wieder in die Presse geschoben, die eingestäubte Decke auf den Schlitten aufgenadelt, dieser ebenfalls eingeschoben und nun die Presse zugedrückt. Die Decke wird nicht eher aus der Presse genommen, bis die Platte völlig erkaltet ist. Gewöhnlich bringt man auf den ersten Goldauftrag sofort einen zweiten aus Blattmetall (unechtes Gold), das dann beim Druck unter dem ersten Golde liegt. Auf diese Weise wird der Glanz der Vergoldung wesentlich erhöht.
Bei der Verzierung der Lederdecke spielt auch die Farbe derselben eine Rolle, zumal wenn das Ornament selbst farbig behandelt wird. Heutzutage ist das Leder in den verschiedensten Farben käuflich, ebenso wie der Kaliko. In früheren Zeiten färbte der Buchbinder das Leder (Kalb- oder Schafleder) selbst, das er in lohgarem Zustande vom Händler bezog. Außer der einfachen Färbung gab man dem Leder auch wohl ein buntes Aussehen durch Marmorierung. Sämtliche Farben: Schwarz, Braun in verschiedenen Tönen, Rot, seltener Blau und Violett, wurden durch Beizen hervorgebracht. Für Schwarz diente Eisenschwärze, auch Eisenfeile, die man längere Zeit in Bier stehen ließ und darin kochte, für Braun Pottaschenwasser oder eine leichte Lösung von Ätzkali oder Ätznatron, für Rot ein Auszug aus Fernambukholz oder Alkannawurzel, mit Kochenille zusammengekocht; durch einen Zusatz von Zinnsalzlösung erhielt die Farbe ein lebhafteres Aussehen. Zur Blaufärbung nahm man Blauholz oder Indigokarmin. Die Beize wurde auf das ausgespannte Fell, nachdem es ausgewaschen, gekleistert und wieder getrocknet war, mit einem Schwamme oder Hasenfuß aufgetragen. Das Marmorieren wurde durch Aufsprengen von Beizen und Farben mittelst eines kleinen Reiswurzelbesens bewerkstelligt. Zuerst wurden die Farben auf das dunkel gefärbte Leder aufgesprengt, dann die zur Entfärbung einzelner Stellen dienenden stark verdünnten Beizen, aus Scheidewasser, Salz- oder Zitronensäure bestehend. Das Durcheinanderlaufen der Farben wurde auch dadurch bewirkt, daß das beim Aufsprengen flach liegende Fell hinterher nach einer Seite geneigt wurde, so daß die verschiedenen Flüssigkeiten in kleinen Rinnsalen ab- und zusammenliefen. Man erzielte dadurch eigentümlich abschattierte Adern; der Grund wurde vorher mit reinem Wasser oder einer Galläpfelabkochung besprengt. Auch das bereits fertig mit Leder überzogene Buch verstand man auf diese Weise zu marmorieren; indem man die Deckel ein wenig nach innen bog, das Buch dabei schräg nach unten neigte, liefen die Adern nach der Mitte zu zusammen und es entstand der sog. Baummarmor.
Das Marmorieren des Leders ist jetzt fast nur noch in England üblich. Zur Vergoldung auf marmoriertem Grunde bedient man sich nur weniger Linien und Stempel von kräftigen Formen, da zierliches und reiches Ornament auf buntem Grunde nicht gut wirkt.
Andere Arten der Ledermarmorierung seien hier noch kurz angemerkt. Der Marmor mit rotem Grunde hieß Feuermarmor, eine durch Tupfen mit dem Schwamme hergestellte Art Schwammmarmor; Kalkmarmor wurde durch Aufsprengen von dünnem Kalkwasser statt reinen Wassers hergestellt.
Wie die ganze Decke marmorierte man auch wohl nur Teile derselben, indem man die übrige Fläche durch Überkleben zudeckte. Auch wurden mit der Reißfeder vollständige Liniaturen ausgeführt, zwischen denen sich Vergoldungen recht gut ausnahmen.
Nachträglich sind noch einige Bemerkungen über die Behandlung des Pergamentes (vergl. [S. 124]) und des Samts (vergl. [S. 151]) zu machen.