Hier zeigte es sich, daß die Frau den Baum herrichtete, und daß der Mann mit den Gästen in der Küche warten mußte, und war außer den beiden Studenten noch Jordan anwesend und jenes Mädchen, mit dem Karl sein Liebeserlebnis gehabt; über dieses unerwartete Wiedersehen schien Karl verlegener wie sie, denn sie reichte ihm unbefangen die Hand und schüttelte sie kräftig; Jordan lachte, wie er Karls linkische Gebärde sah, und die andern merkten wohl, daß zwischen ihr und Jordan Einvernehmen war. Da wurde die Tür geöffnet und alle traten ins Zimmer, wo auf dem deckengeschützten Salontisch ein niedlicher Weihnachtsbaum brannte, und die Frau stand zur Seite und hatte das Kind auf den Armen, das zwar noch ziemlich teilnahmslos war, und hielt in einem Händchen seine Kinderklapper und sah mit etwas hängendem Kopf auf den Boden, ungeachtet aller Aufmunterung der Mutter, es sollte den Weihnachtsbaum betrachten. Die andern legten verstohlen die mitgebrachten Geschenke an die passenden Plätze und zeigten dann ihre Bewunderung der Anordnung durch Ausrufe und Lobpreisungen, welche die Frau mit bescheidenem Stolze annahm. Der kleine Weihnachtsbaum mit seinen Kerzen zeigte sich noch einmal im Spiegel, neben dem die Bilder von Marx und Lassalle friedlich herabsahen. Aus vielen Wohnungen des viereckigen Hofes glänzten durch das Fenster andre Bäume, und das Bewußtsein, daß hier überall sich Menschen freuten, machte noch froher und glücklicher. Da stimmte Weiland mit heller Stimme die Arbeitermarseillaise an:

Wohlan wer Recht und Wahrheit achtet,

Zu unsrer Fahne steht zuhauf.

Wenn auch die Lüg’ uns noch umnachtet,

Bald steigt der Morgen hell herauf!

Ein schwerer Kampf ist’s, den wir wagen,

Zahllos ist unsrer Feinde Schar,

Doch ob wie Flammen die Gefahr

Mög’ über uns zusammenschlagen,