Und stolz, ohne mich anzusehen, mit leuchtenden, ins Weite blickenden Augen fügte sie hinzu:
– Wie herrlich war unser Reich, als noch nichts verkauft wurde! Das ganze Jahr hindurch wurde gesungen ... Singen, immer! Immer geben! ...
Und sie ging.
Ich legte mich wieder auf mein Kissen zurück, und lange klangen die Worte: Ja orana, Gauguin, schmeichelnd in mir nach.
Diese Episode, die mir mit dem Tode des Königs Pomare in Erinnerung geblieben ist, hat tiefere Spuren in meinem Gedächtnis hinterlassen als das Ereignis und die offizielle Feier.
Die Bewohner von Papeete selber, sowohl Eingeborene wie Weiße, vergaßen den Verblichenen schnell. Die von den Nachbarinseln gekommen waren, um dem königlichen Leichenbegängnis beizuwohnen, fuhren wieder fort, noch einmal kreuzten Tausende von orangefarbenen Segeln das blaue Meer, und alles nahm wieder seinen gewohnten Gang.
Es gab nur einen König weniger.
Mit ihm verschwanden die letzten Spuren alter Traditionen. Mit ihm schloß die Geschichte der Maorie ab. Sie war zu Ende. Die Zivilisation – Soldaten, Handel und Beamtentum – triumphierte, leider!
Eine tiefe Traurigkeit bemächtigte sich meiner. Der Traum, welcher mich nach Tahiti geführt, wurde durch die Tatsachen grausam verscheucht. Ich liebte das Tahiti von eh, das jetzige flößte mir Grauen ein.
Doch als ich die noch erhaltene physische Schönheit der Rasse sah, konnte ich nicht daran glauben, daß sie nichts von ihrer antiken Größe, von ihren persönlichen und natürlichen Sitten, von ihrem Glauben und ihren Legenden bewahrt haben sollte. Aber wie die Spuren dieser Vergangenheit, wenn sie solche hinterlassen hat, allein entdecken? wie sie ohne Führung erkennen? Wie das Feuer wieder entzünden, von dem selbst die Asche zerstreut ist?