Titi hatte in Papeete einen furchtbaren Ruf, nachdem sie mehrere Liebhaber unter die Erde gebracht. Aber nicht das machte mich ihr abwendig. Sie hatte als halbe Weiße, und trotz Spuren tiefer, origineller und echt maorischer Eigentümlichkeiten durch zahlreiche Beziehungen viel von ihren „Rassemerkmalen“ eingebüßt. Ich fühlte, daß sie mich nichts von dem lehren konnte, was ich wissen wollte, und mir nichts von dem erlesenen Glück gewähren, das ich begehrte.
Außerdem sagte ich mir, daß ich auf dem Lande finden würde, was ich suchte und nur zu wählen brauchte.
* * *
Von einer Seite das Meer, an der anderen das Gebirge, zerklüftetes Gebirge, ein enormer Spalt, den ein an dem Felsen lehnender, hoher Mangobaum verdeckt.
Zwischen Berg und Meer steht meine Hütte vom Holze des Bourao. Daneben eine zweite, die ich nicht bewohne, die faré amu (Speisehütte).
Morgen.
Auf dem Meere nahe am Strande sehe ich eine Piroge[2] und darin eine halbnackte Frau. Am Strande einen Mann, ebenfalls unbekleidet. Ein kranker Kokosnußbaum mit verschrumpften Blättern gleicht einem ungeheuren Papagei, der seinen vergoldeten Schwanz herabhängen läßt und eine volle Traube in den Krallen hält. Mit harmonischer Gebärde hebt der Mann mit beiden Händen ein schweres Beil, das oben auf dem silbrigen Himmel eine blaue Spur, unten einen rosigen Einschnitt auf dem abgestorbenen Stamme hinterläßt, wo die von Tag zu Tag aufgesparte Glut von Jahrhunderten in den Flammen eines Augenblicks wieder aufleben wird.
Lange schlangenartige Blätter von einem metallischen Gelb auf dem purpurnen Boden gemahnten mich an die Züge einer geheimen, religiösen, alten Schrift. Deutlich bildeten sie das heilige Wort australischen Ursprungs ATUA – Gott – den Taäta oder Takata oder Tathagata, der in ganz Indien überall herrschte. Und wie eines mystischen Zuspruchs in meiner schönen Einsamkeit und meiner schönen Armut erinnerte ich mich wieder der Worte des Weisen:
In den Augen des Tathagata ist die herrlichste Pracht von Königen und seinen Ministern nichts als Auswurf und Staub.
In seinen Augen ist Reinheit und Unreinheit wie der Tanz der sechs Nagas.