Emile tritt nun in die dritte Phase seiner Entwickelung ein, die wichtigste, die für sein ganzes späteres Leben entscheidend wird, und die seinen Erzieher vor die schwierigsten Aufgaben stellt, es ist die Zeit der beginnenden Geschlechtsreife. Während die Aufgabe des Erziehers in den früheren Stadien darin bestand, mit bewußten Eingriffen in die Entwickelung seines Zöglings möglichst sparsam zu sein, und im wesentlichen die Natur frei gewähren zu lassen, muß er hier zum erstenmal eine natürliche Entwickelung nicht befördern, sondern sie in klugen Grenzen verlangsamen und verzögern. Aber auch hierzu hat ihm die Natur selber die Hilfsmittel an die Hand gegeben. Der beginnende Jüngling weiß ja noch gar nicht, was das unbestimmte Sehnen und Drängen, das ihn erfüllt, eigentlich bedeutet. Es gilt, ihn seinen unbestimmten Träumereien nicht zu überlassen. Die Gewohnheit, in dem Erzieher zugleich den Freund zu sehen, wird ihn die Gesellschaft des Lehrers noch häufiger aufsuchen heißen als bisher; durch starke körperliche Arbeit und Tätigkeit, die in dieser Periode ohne Schaden bis fast zur Erschöpfung gehen kann, wird die körperliche Energie in Anspruch genommen und in gesunder Weise befriedigt. Aber unendlich viel wichtiger als die körperlichen Veränderungen ist die geistige Revolution, die sich in Emile vollzieht. Sieht man die Seele als die Kraft an, die sich den Körper bildet, so wird man nicht umhin können, die Geschlechtsliebe aus einer ursprünglich in der Seele angelegten allgemeinen Sympathie abzuleiten. Wir haben gesehen, daß Rousseau diese Lehre für falsch hält. Jeder Fortschritt auf seelischem Gebiet hat bestimmte körperliche Voraussetzungen. Ihn herbeiführen zu wollen, bevor diese körperlichen Voraussetzungen vorhanden sind, heißt die normale Entwickelung verkünsteln und unmöglich machen. So hatte denn auch Rousseau darauf verzichtet, dem Kind eine Scheinsympathie und Scheinliebe zu den Menschen seiner Umgebung anzuzüchten, für welche die körperliche Entwickelung keinerlei Grundlagen bot. Diese Grundlage nun glaubt Rousseau in dem unbestimmt erwachenden Geschlechtstrieb gegeben. Er ist es, der den werdenden Jüngling über sich selber hinausweist, der ihn ergänzungsbedürftig und sehnsüchtig nach der Liebe anderer macht; die leiseste Liebkosung, deren Wert er früher gar nicht verstanden hätte, macht nun sein ganzes Wesen erzittern; sein Herz ist weit geöffnet, daß die Liebe zur Menschheit darin einziehen kann. Jetzt gilt es, ihn auf die tausend Bande aufmerksam zu machen, welche die Menschen aneinander schließen, jetzt kann er den Schritt von der Natur zur Geschichte hinüber wagen, nun wird die Lektüre nicht mehr das sein, was sie für die meisten Menschen ist: ein törichter Zeitvertreib, eine Ausfüllung leerer Stunden, sondern die großen Männer, von denen ihm die Bücher der Geschichte Kunde geben, werden zu gleicher Zeit seine Freunde und seine Vorbilder; nun weiß er, was es heißt, für die heilige Sache der Menschheit kämpfen und leiden, und die Brust schwellt sich ihm bei dem Gedanken, daß diese Männer auch für ihn gelebt, auch für ihn gelitten haben.

Aber nicht nur sein Gefühl bildet sich aus; auch das Denken erhält in dieser Zeit seinen krönenden Abschluß. Das unbestimmte Sehnen und Drängen, das die Seele erfüllt, reißt sie in mächtigem Zuge über alles Gegebene hinweg; ernst und feierlich tritt die Frage nach dem letzten Grunde der sinnlich gegebenen Wirklichkeit vor die Seele des Jünglings; seine Sehnsucht nach Güte und Liebe kann sich nur beruhigen in dem Gedanken einer allgütigen und liebenden letzten Ursache für die vertraute Welt, die ihm einst so weit erschien und nun so eng geworden ist. Jetzt mögen die Worte: Gott, Gebet, Religion, die vor dieser Zeit für ihn eben nur Worte hatten sein können, und die deshalb vor ihm nicht ausgesprochen werden durften, an sein Ohr klingen, an seine Seele pochen; sie werden Einlaß finden, denn sie sind nur der Ausdruck dessen, wonach die Seele selber sich sehnte. Wie die Geschichte, wenn Emile sie in dieser Zeit kennen lernt, nicht der tote Inbegriff von Namen und Zahlen ist, welcher sie mit Notwendigkeit sein muß, wenn sie in einem früheren Alter dem unreifen Verstande des Kindes aufgepfropft wird, so wird er jetzt seine Vorstellungen von Gott und göttlichen Dingen frei von dem mechanischen Nachplappern, frei von den kindischen Anthropomorphismen halten können, in die er früher fast unvermeidlich verfallen wäre. So gilt es auch hier, die körperlichen Vorbedingungen abzuwarten und aus ihnen dann die geistigen Werte zu entwickeln, für die sie die gesunde Grundlage abgeben sollen. Aber wo es sich um den höchsten Gewinn handelt, ist auch die höchste Gefahr vorhanden. Gibt der Jüngling ohne feste Leitung den in ihm gärenden Trieben nach, so ist trotz aller Mühe, die früher auf seine Erziehung verwendet sein mag, sein Leben verloren. Alle edlen Anlagen, zu welchen der Naturtrieb die Vorbedingung hätte werden können, verdorren in der Glut des Genusses, und trotz aller reichen Hoffnungen, zu denen er früher Anlaß gab, wird der Jüngling der Sklave seiner Sinne bleiben, zu dem ihn die eigene Leidenschaftlichkeit und die Unachtsamkeit oder Ruchlosigkeit seiner Umgebung gemacht haben.

Emile ist nun reif, das Getriebe der Welt kennen zu lernen, um später selber handelnd und tätig darin eingreifen zu können. Ihn, den Freund der Natur und der großen Männer der Geschichte werden die Versuchungen der Welt nicht mit sich fortreißen oder ihn zum zynischen Menschenverächter machen können. Aber es fehlt noch der wichtigste Talisman, ohne welchen kein Jüngling aus der reinen Natur in die vergiftete Luft der Städte treten sollte, die tiefe und starke Liebe zu einem guten Mädchen, welche ihn gegen alle Versuchungen der Sinnlichkeit unempfänglich macht. Es handelt sich um die Wahl einer Lebensgefährtin für Emile, eine Wahl, die er aus eigener freier Neigung treffen muß, und die doch allen Ansprüchen genügt, die ein kluger, einsichtsvoller Berater stellen könnte. Rousseau hat auch hierfür Sorge getragen. In einiger Entfernung von dem ländlichen Aufenthalt Emiles wächst unter der Obhut liebender Eltern ein Mädchen heran, das geistig und körperlich die beste Lebensgefährtin zu werden verspricht. Lehrer und Zögling brechen nunmehr zu einer Fußwanderung auf, deren Endziel der Landsitz dieser »prästabilierten Sophie«, wie sie Hettner boshaft nennt, bilden soll, und deren Zweck es ist, die füreinander bestimmten jungen Leute miteinander bekannt zu machen, und das, was die Vernunft gewünscht, durch die Liebe zu vollenden.

Die Beschreibung dieser Fußwanderung, das Zusammentreffen Emiles mit Sophie, das Erwachen der Liebe in beiden, das ist alles so einfach und so schön geschildert, daß jeder Versuch der Wiedererzählung daran scheitern muß; das muß man bei Rousseau selbst nachlesen. Besonders möchte ich auf die Szene aufmerksam machen, wo Sophie ihren Geliebten in der Schreinerwerkstätte aufsucht, um ihn sich für den Tag zu erbitten, und Emile trauernd sich den eigenen und den Wunsch der Geliebten mit Rücksicht auf die übernommene Arbeit versagt. Die festliche Verlobung beendet das Idyll und auch das Zusammensein der Liebenden, denn der Erziehungsplan fordert für Emile noch einen längeren Aufenthalt auf Reisen, die er nunmehr unternehmen kann, ohne die Gefahren fürchten zu müssen, welche die »große Tour« für Jünglinge seines Standes mit sich zu bringen pflegt. Eine Anzahl feiner Bemerkungen Rousseaus über die richtige Art zu reisen, können wir hier billig übergehen. Zum Mann entwickelt, fähig nun selber Vorstand eines Hauswesens zu sein, als Gestaltender einzugreifen in das Triebwerk des Lebens, kehrt Emile zu seiner Sophie zurück. In einer ernsten, an alles Gute in Emile sich wendenden Rede über die Pflichten, die ihm das neue Leben bringen wird, schließt sein Erzieher das Werk ab, dem er so viele Jahre des eigenen Lebens gewidmet hat.

Mit einigen Worten muß noch Rousseaus Ansicht über die Erziehung des weiblichen Geschlechts berührt werden, weil er hier zum Teil im Vergleich mit der Knabenerziehung ganz entgegengesetzte Ratschläge gibt. Sie alle aber lassen sich von einem Punkte aus leicht übersehen und sind von hier aus verständlich und vernünftig. Der Knabe soll zum Menschen erzogen Werden, das Mädchen zur Gattin und Mutter. Auch glaubt Rousseau nicht damit seinen Grundsatz zu verletzen, nach welchem jedes Lebensjahr des Kindes als Selbstzweck betrachtet werden muß und nicht nur in Beziehung auf das spätere Leben gewertet werden darf. Denn die Natur selber hat, wie er glaubt, in dem Mädchen schon von früh an diese spätere Bestimmung psychisch angelegt und sie selbst strebt danach, sie zu verwirklichen. Man würde wider die Natur handeln, wenn man das Mädchen in eine Erziehung hineinpressen wollte, die für den Knaben die naturgemäße ist. So sehen wir denn bei dem Mädchen vom frühen Kindesalter an einen Trieb, sich zu schmücken und zu gefallen, der dem naturgemäß sich entwickelnden Knaben vollständig fremd ist, der aber von vornherein darauf deutet, daß das Mädchen nicht dazu bestimmt ist, dereinst den Mittelpunkt seines Lebens in sich selber zu finden, sondern ihn in dem Verhältnis zu anderen Menschen zu suchen haben wird. Zärtlichkeit ist ebenso der Grundzug der Seele beim Mädchen, wie die Selbstliebe beim Knaben; und der Erzieher hat hier nur ebenso darauf zu achten, daß diese Zärtlichkeit nicht zur unterschiedslosen Selbsthingabe führe, wie bei dem Knaben die Ausartung der Selbstliebe in Egoismus verhütet werden mußte. Daraus folgt nun aber, daß auch die ganze Art der Erziehung bis in die kleinsten Einzelheiten hinein nach dem Geschlecht des Kindes eine verschiedene sein muß. Freilich die Pflege und Abhärtung des Körpers ist ein gemeinsamer Zweck der Mädchen- wie der Knabenerziehung, und Sophie kann, wenn auch erfolglos, den Geliebten zum Wettlauf herausfordern. Aber schon in den Spielen wird sich ein merklicher Unterschied zeigen: der Knabe durchstreift Garten und Wald, das Mädchen bleibt im Zimmer und ist die Mutter ihrer Puppe. Wir haben gesehen, mit welchem Eifer Rousseau darauf dringt, daß für Emile niemals der bloße Wille des Erziehers bestimmend für sein Tun und Lassen sei; bei dem Mädchen liegt die Sache anders. Das ganze Glück des Weibes wird dereinst von dem Willen eines anderen Menschen, ihres Gatten, abhängig sein, und so ist es gut, daß schon das Kind sich gewöhne, dem Willen eines geliebten Menschen sich unterzuordnen, auch wo es die Bestimmungsgründe dieses Willens nicht kennt oder nicht zu begreifen vermag. Wenn ferner die erste Regel für den Erzieher Emiles war, von einem einmal gegebenen Befehl sich nichts abschmeicheln zu lassen, so kann bei der Erziehung des Mädchens läßlicher verfahren werden. Ist doch die Waffe der Frau dem Herrenwillen des Mannes gegenüber immer Schmeichelei und weibliche Anmut gewesen; sie erreicht durch ihre Bitten und ihre Tränen mehr, als der Mann durch seine Stärke und sein Recht für sich durchsetzen kann. Ein flehender Mann ist ebenso naturwidrig wie eine streitbare Frau. Daher wäre es verfehlt, wenn man dem Mädchen den Gebrauch dieser natürlichen Waffen ganz entziehen würde. Man lasse sich gelegentlich etwas abschmeicheln, man erbarme sich der Tränen der kleinen Sünderin und verzeihe ihr; man wird belohnt werden durch die Freude des Kindes über seinen echt weiblichen Erfolg.

Daß bei so verschiedener Erziehung das Verhältnis beider Gatten in der Ehe nicht das der Kameradschaftlichkeit sein kann, ist ganz selbstverständlich. Unselbständig wie nach Rousseau das Mädchen von Natur ist, ist es auch in der naturgemäßen Erziehung, die ihm Rousseau zudenkt, geblieben. Aus der Hand der Eltern geht die Jungfrau, ein reizendes, liebliches Wesen, zum Glück bestimmt und beglückend, in die des Gatten über. Und ebenso wie der Wille der Eltern für sie höchstes Gesetz war, soll es nunmehr der Wille des Gatten sein. Ihre Bestimmung ist, ihm eine treue, liebende Gattin, seinem Hause eine umsichtige Vorsteherin, seinen Kindern eine liebende Mutter zu sein. Rousseau dachte hoch von der Heiligkeit der Ehe; in nichts sah er deutlicher die Entartung menschlicher Verhältnisse durch die Kultur, als in der Herabwürdigung und Zersetzung der ehelichen Verhältnisse in der »guten« französischen Gesellschaft. Aber als wesentlich für den Bestand einer guten Ehe galt ihm immer das Bestimmungsrecht des Mannes, die Unterordnung der Frau. Und wenn ihm auch gelegentlich, wie wir sehen werden, ein Zweifel aufsteigen mochte, ob dieses »naturgemäße« Verhältnis innerhalb der heutigen Gesellschaftsordnung noch das wahre Glück beider Gatten verbürgen könne, so haben solche gelegentlichen Anwandlungen ihn nie zu einer Revision seiner Sätze über das natürliche Verhältnis beider Geschlechter geführt.

Das stärkste Zeugnis für die Wirkung, die vom Emile ausgegangen ist, liegt in der Tatsache, daß sehr viele der Ansichten, die hier mit großer Emphase vorgetragen werden, für uns heute ganz selbstverständlich erscheinen. Rousseau scheint uns hier dauernd offene Türen einzurennen. Es gehört einige Kenntnis der Geschichte der Pädagogik dazu, um sich darüber klar zu werden, daß diese Türen zu Rousseaus Zeiten eben nicht offen waren, sondern durch seine Arbeit erst geöffnet oder besser durch die Mauern einer verkünstelten Pädagogik gebrochen werden mußten. Die bahnbrechende Kraft Rousseaus erscheint vielleicht nirgends größer, als wenn wir die Wirkung abschätzen, welche der Emile auf die Folgezeit ausgeübt hat. Die ganze gewaltige Bewegung, die alsbald namentlich in Deutschland einsetzt, kann man als eine Reihe von Versuchen bezeichnen, wie weit die Vorschläge Rousseaus in die Praxis übersetzt werden können, und namentlich, inwieweit es möglich sei, von der Einzelerziehung, wie sie Rousseau schildert, zur gemeinsamen Erziehung, wie sie die Praxis fordert, überzugehen, ohne den wesentlichen Gehalt der Lehren Rousseaus aufzugeben. Von den ersten unvollkommenen und häufig bizarren Versuchen, die auf einem prinzipienlosen Nachbeten Rousseauscher Lehrsätze beruhten, bis zu den durchdachten und von genauester Sachkenntnis geleiteten Arbeiten eines Salzmann, Pestalozzi und Fröbel, immer finden wir als fast selbstverständlichen Ausgangspunkt den Emile; seine Ansichten werden unausgesetzt bekämpft oder angenommen, die ganze Diskussion ist an ihm orientiert. Und wenn wir bedenken, wieviel glücklicher und naturgemäßer sich die Kinderjahre von Tausenden und Abertausenden heranwachsender junger Menschenkinder unter dem Einfluß dieses einen Buches gestaltet haben, so muß man sagen, daß das schwere Unrecht, das Rousseau durch sein pflichtwidriges Verhalten gegenüber seinen eigenen Kindern auf sich geladen hat, soweit dies überhaupt möglich, gesühnt worden ist durch die Wohltaten, die er Generationen auf Generationen fremder Kinder erwiesen hat und bis zum heutigen Tage erweist.

Fünftes Kapitel.
Die Nouvelle Héloïse.

Rousseau hat einmal daran gedacht, seinem Emile eine Fortsetzung zu geben, in welcher das eheliche Leben Emiles und Sophiens geschildert werden sollte. Es ist ein Glück, daß er diesen Plan nicht ausgeführt hat, denn die uns erhaltenen Bruchstücke zeigen deutlich genug, daß uns hier der Bankerott all der schönen Hoffnungen gezeigt worden wäre, mit denen der Erzieher Emile entläßt und der Leser das Buch aus den Händen legt. Namentlich wären aber die eigenen Lehren Rousseaus über Erziehung des weiblichen Geschlechts glänzend ad absurdum geführt worden. Nach einem kurzen glücklichen Aufenthalt auf dem Lande begibt sich das junge Paar nach der Stadt; mannigfache neue Anregungen machen es Emile unmöglich, sich so wie früher Sophien zu widmen. Sophie fühlt, daß sie den bisherigen Mittelpunkt ihres Lebens verloren hat; sie ist gelangweilt, unglücklich, und sinkt in dieser Stimmung als leichte Beute einem gewissenlosen Verführer in die Arme. Emile trennt sich von ihr, beginnt ein Wanderleben, und findet nach langen Irrfahrten an einsamer Stätte die bereuende Gattin wieder, um nun fern von den Menschen mit ihr den Rest des Lebens zu verbringen.

Das ist nicht eine Schilderung des modernen Menschen in seinen Beziehungen zu Welt und Leben, sondern es klingt fast wie eine Satire auf das ganze mühselige Erziehungswerk, das Emile dazu geführt hat, seinen Platz im Leben so wenig befriedigend auszufüllen. Aber Rousseau konnte mit um so besserem Recht diese Fortsetzung Fragment bleiben lassen, als er bereits früher in der Nouvelle Héloïse das Buch geschrieben hatte, in dem diese Probleme so eindringlich behandelt worden waren, daß ihm Neues hierüber zu sagen unmöglich war. Die Ansicht der Romantiker, daß in jedem Menschen ein und nur ein Roman angelegt sei, trifft auf Rousseau vollständig zu; deshalb mußte der Versuch, dem Emile eine Fortsetzung zu geben, scheitern; den Roman des Lebens hatte Rousseau geschrieben, bevor er an den Roman der Erziehung dachte; denn noch einmal, die Confessions wollen kein Roman sein, sondern die wirkliche Geschichte seines Lebens geben, sie wollen Wahrheit, nicht Dichtung sein.