Nicht daß ich wüßte. Meine Familie ist seit Urzeiten in Brescia ansässig.

Ihr wohnt in der Calle della Cortesia bei Giovanna Danieli; Ihr wünscht in den Dienst des erlauchten Rates der Zehn zu treten.

Ich wünsche der Republik meine Dienste zu widmen.

Eure Papiere aus Brescia sind in Ordnung. Der Advokat, bei dem Ihr fünf Jahre gearbeitet habt, gibt Euch das Zeugnis eines verständigen und zuverlässigen Mannes. Nur über die sechs oder sieben Jahre, bevor Ihr zu ihm kamt, fehlt ein jeder Ausweis. Was habt Ihr, nachdem Eure Eltern gestorben waren, in der langen Zeit getrieben? Ihr habt sie nicht in Brescia zugebracht?

Nein, Euer Gnaden, erwiderte Andrea ruhig. Ich war in fremden Ländern, in Frankreich, Holland und Spanien. Nachdem ich mein geringes Erbe aufgezehrt hatte, mußte ich mich bequemen, Bedienter zu werden.

Eure Zeugnisse?

Sie sind mir entwendet worden in einem Koffer, der meine ganze Habe enthielt. Ich war dann des unsicheren Reiselebens müde und ging nach Brescia zurück. Meine Herrschaften hatten mich zu mancherlei Sekretärdiensten brauchbar gefunden. Ich versuchte es bei einem Advocaten, und Euer Gnaden haben das Zeugnis selbst vor sich, daß ich zu arbeiten gelernt habe.

Während er dies sagte, in einer stillen, unterwürfigen Haltung, den
Kopf etwas vorgebeugt und den Hut in beiden Händen, trat plötzlich
einer der drei Herren in der Maske näher an den Tisch heran, und
Andrea fühlte einen durchdringenden Blick auf sich gerichtet.

Wie heißt Ihr? fragte der Inquisitor mit einer Stimme, die ein hohes
Alter verriet.

Andrea Delfin. Meine Papiere weisen es aus.