Da stockte der Hansel und wurde blutroth im Gesicht und schielte immer auf die Pedanterliese, die auch längst schon aufgehört hatte, sich mit der Käke abzugeben, und keinen Blick von dem blonden Schusterjungen wandte. Der Poet aber rieb sich stillvergnügt die Hände und sang leise vor sich hin:
Ein Stündlein sind sie beisammen gewest,
Ein Stündlein läuft so geschwind,
Und saßen einander im Herzen schon fest;
Die Liebe die kommt wie ein Wind.
Du junger Gesell, nun hüte dich fein,
Nun hüte dich, schönes Kind,
Und verriegele gut deines Herzens Schrein;
Denn die Liebe die geht wie ein Wind.
Tante Buchstabiria aber trat zu ihm und hatte eine Menge Einwendungen zu machen. Die Erziehung sei noch nicht beendet; sie müsse erst noch Stunden nehmen über die Pflichten der Gattin und Mutter; auch sei der Hansel arm, und das sei bei einer Heirath das Allerschlimmste. Auf all das hörte der Lange nicht; er sagte, so müsse es von Gottes- und Rechtswegen immer hergehn, daß der Gänsejunge die Prinzessin oder der Schusterjunge das Pedanterlieschen heirathe, und der blonde Hansel sei ein gar reputirlicher Freier und gerade wie gemacht für sie. Uebrigens sollten sie ihn nur machen lassen, er werde die ganze Geschichte nach Wunsch zu Ende bringen; denn dafür sei er Poet und könne machen, was ihm gut schiene, und die Großmuth koste ihn nichts.
Da ergab sich Tante Buchstabiria, ließ eilig anspannen, und die ganze Gesellschaft fuhr nach Hause. Die Bank hatten sie zurückgelassen vor lauter Freude, daß sie Alle wieder beisammen waren, und vollführten im Wagen eine erschreckliche Ausgelassenheit; nur der Schusterjunge und die Pedanterliese waren stumm. Der Lange aber hatte die Beine, die er im Wagen nicht unterbringen konnte, zum Schlage herausbaumeln, warf allen Bauerdirnlein, die vorbeigingen, Kußhände zu und sang:
Zehnerlei Kräuter hauchen
So süßen Duft im Maien;
Könnt' ich in Wein sie tauchen,
Bliebe mir Sorge fern.
Von Durst mich zu befreien,
Auf Rath vergebens denk' ich.
Ach hätt' ich Geld, wie tränk' ich
Mir einen Glanz so gern!
Liebe den Andern winket
In jungen Lenzes Schimmer.
Wenn mir nur Maiwein blinket,
Neid' ich sie nicht den Herrn.
Durch schöne Augen nimmer
In Leid und Kummer sänk' ich –
Ach, hätt' ich Geld, wie tränk' ich
Mir einen Glanz so gern!
Muß ich auch einsam gehen,
Wenn Liebe schleicht zu Zweien,
Kann ich doch doppelt sehen
Frühling und Mond und Stern'.
Drum hoch, du Trank des Maien!
Allstund an dich gedenk' ich –
Ach hätt' ich Geld, wie tränk' ich
Mir einen Glanz so gern!
Und dabei jodelte er und trillerte so laut, daß die Käke, die in Glückspilzchens Arm eingeschlafen war, aufwachte, sich die Augen rieb und sagte: Ach nun haben sie Alle Geschichten erzählt, und mich fragt keiner, was mir begegnet sei. – Du armes Dummerchen, fiel Glückspilzchen ein, wer denkt auch, daß du schon was erlebst! Erzähle aber nur. – Da spitzten sie alle die Ohren, und die Käke fing an: Wie mich der Bach mit fortnahm, war ich sehr angst, ich möchte ertrinken. Da strampelte ich mit Händen und Füßen, und weinte. Auf einmal hörte ich wie der Bach sagte: Sei ruhig, Püppchen, will dir auch ein Märchen erzählen. Das ließ ich mir denn gern gefallen und er erzählte