Die Thür der Küche aber war festlich mit Blumenkränzen geschmückt und über dem Eingang stand mit goldnen Buchstaben:
Aegyptenland ist hie zu sehn,
Wo die berühmten Fleischtöpf' stehn.
Bitt', trete näher wem's gefällt;
Es ist umsonst und kost't kein Geld.
Da traten denn Alle höchlich verwundert ein und sahen ein Dutzend großmächtiger Fleischtöpfe am Feuer stehn und das allerurwürzigste Fleisch darinnen dampfen. Rings um den Herd standen schöne bunte Pyramiden vom vorigen Weihnachten, und die Kerzen darauf brannten, daß es eine wahre Pracht war. Der Poet aber trat vor und gab dem blonden Schusterjungen zwei Briefe. In dem einen stand, sein Herr Vormund sei mit Tode abgegangen und habe ihm noch, wie er eben im besten Sterben gewesen, alle seine Geldsäcke vermacht. Im zweiten stand, der König habe ihm für seine edle Aufopferung bei Rettung der kleinen Käke die Rettungsmedaille zu verleihen geruht, habe auch dem armen Grillenfänger eine Pension ausgesetzt, damit er in Zukunft das Geschäft sorgenfrei und nicht mehr auf eigne Hand, sondern im Hause des jungen Schusters betreiben könne, falls sich Grillen darin einstellen würden. Es war das natürlich ein Ruheposten; denn bei der Vortrefflichkeit der beiden Leutchen war an Grillen kaum zu denken.
Nun begreift Jeder, welch eine fröhliche Hochzeit gefeiert wurde, und zwar an demselben Tage, an dem Prinzessin Marzebille dem Prinzen Schnudi die Hand reichte. Der aber schien den langen Poeten vergessen zu haben und galt im ganzen Lande für ein gewaltiges Licht, seitdem er die schönen Verse heimgebracht hatte.
Pedanterlieschen führte indessen ein sehr musterhaftes häusliches Leben und es hat sie nie der Schuh gedrückt; dafür sorgte ihr Mann, der sehr bequemes Fußwerk lieferte. Glückspilzchen dagegen hatte noch viel von der Erziehung auszustehn, machte sich indeß manche fröhliche Stunde in Wald und Feld, wobei sie sich freilich vor der Frau Bösgewissen in Acht nahm; und zuletzt verliebte sich ein Waldhornist Namens Eichhorn sterblich in sie, der ein schmuckes fideles Kerlchen war und von Allen hochgeehrt immerfort die Welt durchstreifte und sie einmal unversehens mitnahm. Der lange Poet aber saß nun fleißig bei seinem Heldengedicht, was er den Tanten sehr zu Dank machte. Nur war ihm Tante Buchstabiria immer noch böse wegen der Gärtnerfamilie, die nicht wieder zum Vorschein kam. Aber der Poet sagte, es sei alles eine wahre Geschichte, für die er nicht könne; denn da die Helden dieses Märleins, Gottlob! noch nicht gestorben seien, so lebten sie heute noch, und die liebe Tante sollte nur immer abwarten, ob die vermißte Gesellschaft nicht doch noch einmal ihren Besuch machte.