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Da drunten im Thal
Da blühen die Rosen;
Da will ich dich küssen
Viel tausendmal.
Wer Röselein bricht,
Den stechen die Dornen;
Und sei mir nicht bös,
Wenn mein Schnurrbart dich sticht.
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Am Wildbach die Weiden
Die schwanken Tag und Nacht.
Die Liebe von uns beiden
Hat Gott so fest gemacht.
Am Wildbach die Weiden
Die haben nicht Wort und Ton.
Wenn sich die Augen besprechen,
So wissen die Herzen davon.
Und dergleichen mehr und dachte sich nichts dabei, eben so wenig beim Kuhblumenpflücken; aber die alte Melkmarei hatte ihren heimlichen Spaß daran.
Darüber hätt' ich aber fast zu erzählen vergessen, wie es der Blindekuh ging. Das arme Thier wachte in grauer Frühe auf; denn es war ja gar nicht gewohnt, stante pede zu schlafen. Wie es nun so mit dem Kopf ruckte, blieben die Spatzen auch nicht lange still in den Federn, reckten sich erst ein wenig und huschten dann hinaus. O weh! da war von ihrem Herrn nichts zu sehen; nur die Leine, an der er die Prinzessin geführt hatte, lag auf dem Moose. Frau! sagte der Spatzenvater zu seiner Ehehälfte, was thun wir nun? – Hole die Leine, erwiederte die Spätzin, und bitte die Blindekuh, sie wieder ins Maul zu nehmen; und dann wollen wir weiter bis ins nächste Dorf zu dem Bauer, dessen Hausspätzin ich war, bevor du mich heirathetest. Und unsere Jungen, Gelbschnabel und Grünschnabel, können Kuhblumen besorgen, während ich die Gnitzen und Gnatzen wegfange. – Das hatte aber die Blindekuh gehört und fragte ängstlich: Lieber Kuhjohn, wo bist du? und wann geht's weiter? Ich habe auch Appetit auf einige Kuhblumen. – Darauf flog der alte Spatz dicht an ihr Ohr und sagte ihr Alles, wie seine Frau es gerathen hatte. Ach, da wurde Naserümpfchen betrübt! Aber weil's doch nicht anders ging, nahm sie die Leine gutwillig zwischen ihre Perlenzähne, und nun flatterte der Spatz bedächtig voran, dicht über dem Boden, da es der Blindekuh sonst zu schnell gewesen wäre, und seine Familie sorgte für das Uebrige. Es war aber doch ein schwieriges Geschäft; denn immer wenn die Blindekuh eine gelbe Blume kaute, fiel ihr die Leine aus dem Munde, und es wurde dem Spatzen schwerer, sie wieder hineinzustecken, als es dem kleinen Kuhjohn geworden war. Dabei seufzte die Prinzessin oft, und das klang jedesmal Muh! worüber die Vögel erschraken. Das einzige Gute war, daß sie Zeit genug hatte, bescheidner zu werden und eine rechte Sehnsucht nach dem guten Kuhjohn bekam, den sie früher immer nur ausgelacht hatte.
Wie sie nun so die Landstraße hinab zogen nach dem Dörfchen zu, kam ihnen eine Schaar von Schulkindern entgegen, die hinter die Schule gegangen waren, um sich im Walde lustig zu machen. Als sie die Blindekuh kommen sahen und die Vögel umher, fingen sie laut an zu lachen und waren sehr ausgelassen und unartig, daß die Vögel scheu wurden und sich zwitschernd in das Nest zwischen den Hörnern verkrochen. Da stand die arme Prinzessin still und fragte: Was ist denn das? Lassen sie mich denn Alle im Stich? – Die Schulkinder aber umringten sie und riefen durch einander: Hört doch einmal! die Blindekuh kann sprechen. Einer von ihnen, der älteste und ein gar übermüthiger Junge, gab ihr geschwind die Leine wieder, führte sie eine Strecke vorwärts und sagte: Blindekuh, ich führe dich. – Wohin denn? fragte die Prinzessin ganz verblüfft. – In den Kuhstall! war die Antwort. – Und was soll ich da? – Milch essen, Blindekuh. – Ach Gott, ich habe ja keinen Löffel. – Dann such dir einen, rief der böse Bube lachend und ließ die Leine fahren. Nun tappte die Blindekuh ängstlich im Kreise herum; aber die Schulkinder wichen ihr neckend und spottend aus, und da sie nicht wußte, wohin sie ging, lief sie gerade auf die Bäume zu und hätte sich gewiß den Kopf ganz wund gestoßen. Da trat noch zur rechten Zeit der kleine Kuhjohn aus dem Walde heraus, eine Menge Kuhblumen unter dem Arm, und wie er so plötzlich Naserümpfchen vor sich sah, freute er sich wie ein König, obgleich er seinen Verstand zwischen dem Farnkraut gelassen hatte. Er ging geschwind zu ihr heran, streichelte sie und gab ihr seine Blumen zu fressen. Wie sie aber die letzte verschluckt hatte, da war's gerade der Haufen, von dem die Melkmarei in dem Zauberspruch geredet hatte, und sie stand als die wunderschöne Prinzessin da, die sie gewesen war. Nur hatte sie einen wunderlichen Kopfputz von Heu und das Nest lag oben auf. Da flogen die Spatzen lustig herunter und ihrem Herrn auf die Schultern und konnten sich gar nicht lassen vor Freude. Der aber ging muthig auf Naserümpfchen zu, umarmte sie und küßte sie wer weiß wie oft. Denn sein Respekt war mit dem Miethszettel in die Höslein gestopft und drin elendiglich erstickt.
Man begreift, was für alberne Gesichter die Schulkinder bei alle dem machten; aber die Prinzessin schenkte ihnen ihr Schnupftuch, damit sie sich die Lippen fegen und reinen Mund halten sollten, was sie auch versprachen. Dann spazierte sie mit dem Kuhjohn nach der Stadt zurück, und was sie sich alles gesagt haben, mag der Himmel wissen. Ich kann nur ein Lied verrathen, das die Prinzeß sang, und der Kuhjohn brummte die zweite Stimme. Das hieß so: