Ein alter Jägersmann trat schlau lächelnd zu ihnen. Mit dem ist's nicht richtig, Ihr Herren, fing er an. Denkt nur! gestern Nacht, ich hatte eben meine Büchse in die Ecke gestellt, und will mich hinlegen und schlafen, da geschieht plötzlich ein gewaltiges Brausen durch die Luft, daß mir altem Jäger ordentlich bange wird, und wie ich den Kopf aus meiner Hütte stecke, sehe ich ein ganz Heer von Waldteufeln herangeflogen kommen, und hinterdrein jagt das kleine dürre Männchen, das Ihr eben gesehen habt, und schreit, was es nur kann: Halt' doch still, Nixe! halt' doch still! Wirklich kriegt er den einen zu fassen, stolpert aber über eine Baumwurzel und fällt längelangs zur Erde. Wie er sich wieder aufgerappelt hatte, waren die andern alle verschwunden; der eine Waldteufel aber lag ganz zerknittert neben ihm. Im Nu hatte er ihn in der Hand und rief jubelnd: Hab' ich dich endlich! Hab' ich dich! Dann setzte er sich auf einen gefällten Baumstamm und besah ihn von hinten und vorn. Ganz verstimmt! brummte er ärgerlich, bog die Pappe wieder gerade, zog so ein Ding wie eine Gabel aus der Tasche, hielt sie vors Ohr und drehte dann den Waldteufel. Es ist wirklich Fis dur geworden, sagte er vor sich hin. Das wird Mühe kosten, ihn wieder auf C moll zu bringen! – Und nun saß er die ganze Nacht und den ganzen vergangenen Tag auf demselben Fleck, machte die Roßhaare bald kürzer, bald länger und hielt immer von Zeit zu Zeit die Gabel vors Ohr, die ganz wunderlich klang. Mich dauerte der arme Mensch; ich trat am Ende zu ihm und brachte ihm ein Stück Brod und einen Käse. Er sah erschrocken auf, versteckte den Waldteufel rasch, nahm aber die Speisen kopfnickend an, ohne ein Wort zu sprechen. Sobald ich fort war und er aufgegessen hatte, was ich ihm brachte, fing er wieder von vorn an zu spielen und die Gabel vors Ohr zu halten, und das hat er getrieben, bis Ihr kamt. Wißt Ihr mir vielleicht zu sagen, wer er ist, meine Herren?
Es ist der alte verrückte Kapellmeister aus der Stadt, sagte Fedelint. Weiß der liebe Himmel, was er wieder für Schrullen im Kopf hat! Aber wollt Ihr wohl so gut sein, Herr Jäger, uns nach der Stadt zu weisen? – Von Herzen gern, sagte der Jäger; ich will ohnedies sehen, ob noch ein Laden offen ist, um mir etwas Pulver zu kaufen.
Und so schritten die Drei in wechselnden Gesprächen durch die monddämmerigen Laubgänge der Stadt zu.
Achtes Kapitel.
Wie das Märchen von Fedelint und Funzifudelchen ein fröhliches Ende nimmt.
Im Glas-Pavillon sah's in dieser Nacht wie alle Nächte aus. Funzifudelchen hatte französische Stunde und mußte aus dem Charles XII. übersetzen, den ihr der Lehrer vorlas. Der alte König saß mit seinem lieben Rapudänzelchen dabei und hörte zu, obgleich sie Beide eigentlich kein Französisch verstanden. Sie thaten aber doch so, denn es war Mode, und der König stieß alle Augenblicke seine Gemahlin an und sagte: Hör', wie unser Kind viel weiß! es geht ja wie Wasser. – Der Lehrer zupfte dann an den Vatermördern, machte ein wichtiges Gesicht und sagte: Es mag auch wohl am Lehrer liegen, Majestät. Bei jedem Andern hätte Fräulein Prinzessin Tochter Königliche Hoheit nicht so viel gelernt, trotz ihrer qualités excellentes; aber meine Verdienste um die französische Sprache sind von der Pariser Akademie – –
Schnurrurrurrurrrrrrr … ging es unten auf der Straße los. Ah mon Dieu! rief Funzifudelchen, welch ein gräulicher Lärm! Der König stürzte zum Fenster und sah draußen den alten verrückten Kapellmeister stehn und mit wahrem Feuereifer den großen Waldteufel schwingen. Der Mond beleuchtete gerade die Hörnlein, die aus dem langen weißen Haar hervorschauten; aber das dürre Figürchen stak in einem feierlichen schwarzen Anzug, um den Hals war eine schlohweiße Binde geknüpft, und ein großmächtiger Blumenstrauß saß im Knopfloch, als ging's zur Hochzeit. Indem der König eben nach seiner Börse griff, um dem alten Musikanten einen Groschen hinabzuwerfen und ihn fortzuschicken, kam schon die Wache und nahm den alten verrückten Kapellmeister trotz alles Sträubens und Schreiens: es wäre das Lied der Nixe Undula, und ganz richtig nach C moll gestimmt! mit sich fort.
Daß man doch nie vor Störungen sicher ist! sagte Muffel der Erste ganz ärgerlich und setzte sich wieder. Bitte, Herr Beaumarchais, fahren Sie fort. – Die Prinzessin war ein wenig unruhig und zerstreut. Da klang's vom nahen Kirchthurm Mitternacht, und unter dem Fenster fing eine wunderliebliche Melodie an; eine Geige spielte einige reizende Passagen, dann sang ein zarter Bariton folgendes Lied:
Dein Herzlein mild,
Du liebes Bild,
Das ist noch nicht erglommen;
Und drinnen ruht
Verträumte Glut,
Wird bald zu Tage kommen.
Es hat die Nacht
Einen Thau gebracht
Den Blumen all im Walde,
Und Morgens drauf
Da blüht's zuhauf
Und duftet durch die Halde.