Und der Tag schien heute stillzustehn. Er sehnte sich nach der Dunkelheit, denn er war müde, und der Blutverlust hatte ihn auch mehr angegriffen, als er sich gestand. Er fühlte heftige Schmerzen an der Hand, setzte sich auf einem Schemel und löste den Verband. Das zurückgedrängte Blut schoß wieder hervor, und die Hand war stark um die Wunde angeschwollen. Er wusch sie sorgfältig und kühlte sie lange. Als er sie wieder vorzog, unterschied er deutlich die Spur von Laurellas Zähnen. Sie hatte recht, sagte er. Eine Bestie war ich und verdien es nicht besser. Ich will ihr morgen ihr Tuch durch den Giuseppe zurückschicken, denn mich soll sie nicht wiedersehn. —Und nun wusch er das Tuch sorgfältig und breitete es in der Sonne aus, nachdem er sich die Hand wieder verbunden hatte, so gut er's mit der Linken und den Zähnen konnte. Dann warf er sich auf sein Bett und schloß die Augen.
Der helle Mond weckte ihn aus einem halben Schlaf, zugleich der Schmerz in der Hand. Er sprang eben wieder auf, um die pochenden Schläge des Bluts in Wasser zu beruhigen, als er ein Geräusch an seiner Tür hörte. Wer ist da? rief er und öffnete. Laurella stand vor ihm.
Ohne viel zu fragen trat sie ein. Sie warf das Tuch ab, das sie über den Kopf geschlungen hatte und stellte ein Körbchen auf den Tisch. Dann schöpfte sie tief Atem.
Du kommst, dein Tuch zu holen, sagte er, du hättest dir die Mühe ersparen können, denn morgen in der Früh hätte ich Giuseppe gebeten, es dir zu bringen.
Es ist nicht um das Tuch, erwiderte sie rasch. Ich bin auf dem Berg gewesen, um dir Kräuter zu holen, die gegen das Bluten sind. Da! Und sie hob den Deckel vom Körbchen.
Zu viel Mühe, sagte er, und ohne alle Herbigkeit, zu viel Mühe. Es geht schon besser, viel besser, und wenn es schlimmer ginge, ging es auch nach Verdienst. Was willst du hier um die Zeit? Wenn dich einer hier träfe, du weißt, wie sie schwatzen, obwohl sie nicht wissen, was sie sagen.
Ich kümmere mich um keinen, sprach sie heftig. Aber die Hand will ich sehen und die Kräuter darauf tun, denn mit der Linken bringst du es nicht zustande.
Ich sage dir, daß es unnötig ist.
So laß es mich sehen, damit ich's glaube.
Sie ergriff ohne weiteres die Hand, die sich nicht wehren konnte, und band die Lappen ab. Als sie die starke Geschwulst sah, fuhr sie zusammen und schrie auf: Jesus Maria!