Bei ruhiger Atmung ist daher der auf die im Brustraum gelegenen Gefäße lastende Druck kleiner, als der auf die außerhalb desselben gelegenen einwirkende. Nach Munk muß daher eine Aufsaugung des Blutes aus den außerhalb des Brustraumes gelegenen Blutgefäßen stattfinden und damit die Blutbewegung beschleunigt werden. Und diese Blutstrombeschleunigung muß um so größer sein, je geringer der Binnenbrustdruck, d. h. je tiefer die Atmung ist.

Die Beschleunigung des Blutstroms macht sich zunächst im Pfortaderkreislauf bemerkbar. Aus den kleinsten Auflösungen der Schlagadern, den sogenannten Haargefäßen (Kapillaren) des Magens, der Milz und des Darmrohrs gehen Blutadern (Venen) hervor und sammeln sich zum sogenannten Pfortaderstamm, der in der Leber von neuem ein Kapillarsystem bildet, aus welchem die Lebervenen entstehen, die in die untere Hohlvene einmünden. Letztere führt das verbrauchte Blut dem Herzen zur Regeneration zu. Durch die kapillare Strombettbildung in der Leber ist die Blutbewegung daselbst eine verlangsamte und erst durch die geschilderte Saugkraft wird sie wieder beschleunigt. Dazu kommt die unterstützende aktive Kraft der Bauchpresse bei der Tiefatmung, d. i. der Herabstieg des wichtigsten Atmungsmuskels, des Zwerchfells, welches Brust- und Bauchhöhle voneinander scheidet und die Bauchmuskeltätigkeit, welche beide zusammengenommen von oben und von vorn ebenso wie den gesamten Bauchinhalt auch die Leber zusammenpressen.

Die Tiefatmung wird also zu einem willkürlich zu gebrauchenden Massageapparat der Leber, der Därme, der Nieren und aller übrigen Baucheingeweide.

Die Beförderung der Verdauung, der Harnabsonderung, des Stoffwechsels etc. sind unmittelbare und notwendige Folgen.

Derselben Einwirkung aber unterliegt auch der Brustgang des Lymphgefäßsystems (ductus thoracicus), so daß der Lymphstrom vom Darm und den Extremitäten her beschleunigt wird.

In gleicher Weise sucht der negative intrathoracische Druck die Wandungen der Herzhöhlen voneinander zu entfernen; er fördert also die Füllung derselben während ihrer Erschlaffung (diastolische Füllung). Im Röntgenbilde kann man bei starker Herabsetzung des Binnenraumbrustdruckes die Vergrößerung des Herzens beobachten.

Ferner begünstigt die Saugkraft der Lungen auch den kleinen oder Lungen-Kreislauf. In der lufthaltigen Lunge sind die Blutgefäße weiter als in der luftleeren, und wird nun bei der Einatmung der Binnenbrustdruck stärker negativ, so äußert er seinen gefäßerweiternden Einfluß mehr auf die dünnwandigen Venen als auf die starren Arterien. Auf diese Weise erfährt der Lungenkreislauf eine inspiratorische Beschleunigung; dadurch wird während der Inspiration der linken Herzkammer mehr sauerstoffreiches Blut zugeführt als bei der Expiration und der Herzmuskel selbst besser ernährt.

Durch die Tiefatmung aber werden alle genannten Wirkungen stärker als bei ruhiger Atmung und durch systematische vernünftige Atemgymnastik resp. Leibeszucht wachsen:

1. die elastischen Spannkräfte der Brustwände,

2. die elastischen Spannkräfte der Lunge,