Fig. 11. Armsenken als Selbsthemmungsübung.
In gleicher Weise lernt das Ohr hören, die Haut tasten, die Nase riechen, die Zunge schmecken.
II. Teil.
Wert einiger besonderer Arten der Bewegung.
Haben wir nun erfahren, wie Leibesübungen auf alle Teile des Körpers und Geistes wirken, so müssen wir uns einige Sonderheiten derselben vergegenwärtigen, um sie individuell und zu bestimmten Zwecken erweitern zu können.
Denn Bewegungen dienen nicht allein dem Zwecke des Gesundwerdens und Gesundbleibens, sondern können zur Selbstzucht benutzt werden, wie dies in der sogenannten pädagogischen Gymnastik geschieht, wo man bestrebt ist, den Körper dem eigenen Willen zu unterwerfen. Oder man kann die Bewegungen benutzen, um einen fremden Willen unter den eigenen zu beugen, wie dies z. B. beim Schießen, Fechten etc. in der militärischen Gymnastik statt hat. Schließlich kann man Bewegungen ästhetisch benutzen, um sein Denken und Fühlen körperlich zu veranschaulichen.
Wir können nun unsere Bewegungen so einrichten, daß wir uns dabei ganz gleichgültig (passiv) verhalten und unsere Glieder von einem zweiten Menschen oder einer Maschine bewegen lassen. Dann spricht man von einer Passivbewegung. ([Fig. 8] und [9].)
Oder wir können unsere Glieder selbsttätig bewegen, dann spricht man von einer Aktivbewegung.
Diese Aktivbewegungen kann man sehr verschiedenartig gestalten. Man kann z. B. einen Widerstand einschieben. Beugt man den Arm im Ellenbogengelenk, während ein anderer Mensch diese Beugung zu verhindern sucht, so muß man dessen Kraft beim Widerstand überwinden. Hält man den Arm in der Beuge, ein zweiter Mensch streckt mit stärkerer Kraft denselben, so daß man nun entsprechend der eigenen Kraft nachgeben muß, so fügt man sich dem Widerstand. In dem ersten Falle spricht man von einer aktiv duplizierten, im zweiten von einer passiv duplizierten Widerstandsbewegung. ([Fig. 10], [14], [14a], [15].)