g) Fechten, Boxen und Ringen.

Hohe Anforderungen an die Sinnes- und Nervenkraft stellen die Uebungen des Fechtens, Boxens und Ringens. Die Aufmerksamkeit ist aufs höchste gespannt, um die Blöße des Gegners schnell zu erkennen und auszunutzen. Die Muskelarbeit beim Fechten und Boxen ist eine geringere als beim Ringen, bei welchem der Widerstand des Gegners gleichzeitig zu überwinden ist. Das Ringen ist eine Widerstandsgymnastik par excellence, die ebenso Gewandtheit als Kraft und Ausdauer von allen Teilen des Körpers, von den Sinnen, Organen und Muskeln erfordert. ([Fig. 15].) Voraussetzung ist eine allseitige Ausbildung des Körpers. Die Kraftübung ist hier zur Dauerübung gemacht und stellt die höchsten Anforderungen an Atmung und Herztätigkeit. Zustände von Herzdehnung und Herzübung findet man bei Ringern sehr häufig und die meisten Berufsringer sterben relativ frühzeitig an Herzleiden, zumal wenn sie die Herzarbeit durch Flüssigkeitszufuhr noch erhöhen, wie dies durch Trinken besonders alkoholischer Getränke geschieht. Die wenigsten Berufsringer haben ihre Atmung gut geschult und glauben eine gute Atemschule nicht notwendig zu haben, weil sie während des Ringens nur sparsam und oberflächlich atmen. Hat der Ringer jedoch gelernt, die Pressung während der größten Kraftanstrengung auf ein Mindestmaß zu beschränken und die Atmung unabhängig von der Muskelarbeit zu gestalten, so würde sein Herz langsamer ermüden, ebenso wie der ganze Körper und müßte er gegen einen gleich starken und gleich gewandten Gegner notwendig durch seine Ausdauer siegen.

Der Ringkampf ist so recht eigentlich das Examen für die leibliche Tüchtigkeit und die stetige Repetition des einmal Erlernten und müßte in erster Linie zur Erziehung leiblicher Gesundheit auf unseren Schulen gepflegt werden. Er ist vor allem geeignet, echte Ritterlichkeit in unserer Jugend heranzubilden, wofern die Ringenden angehalten würden, ihre Ueberlegenheit dadurch zu beweisen, daß sie den Gegner nicht roh zu Falle bringen, sondern gleitend und schonend.

2. Turnen und Turnspiele.

Das deutsche Turnen hat drei Arten der Körperausbildung, die Gerät-, die Ordnungs- und die Freiübungen.

Fig. 16. Turnen am Barren.

Beim Gerätturnen werden alle Muskeln ausgebildet und die Koordination geschult. Bock, Pferd und Springschnur dienen der Ausbildung der Beine, Reck, Ringe und Barren ([Fig. 16] u. [16a]) der der Arme. Die Ausbildung der Beine durch die verschiedene Art des Sprunges ([Fig. 17]) sollte man nicht durch Benutzung von Sprungbrettern gefährden, weil durch ungeschickten Absprung von denselben leicht Verstauchungen der Füße vorkommen. Verletzungen des Fersenbeins und Gehirnerschütterungen beim Niedersprung können durch „Federn” in den Zehengelenken und durch Weichheit der Niedersprungsstelle vermieden werden. Zur Stählung des Mutes ist der Sprung über feste Sprunggeräte wie Pferd, Sprungkästen geeigneter. Eine aufmerksame und geschulte Hilfe sollte nie fehlen. Bei den Stütz-Uebungen am Barren, am Reck und an den Schaukelringen besteht die Gefahr der Pressung, die sorgfältigst ausgeschaltet werden muß.

Fig. 16 a. Hochsprung.