Fig. 18. Der Gerwurf.
3. Der Tanz.
Eine eigene Rolle könnte dem Tanz für die Körperpflege zukommen, namentlich für das weibliche Geschlecht, wofern er nur vernünftig ausgenützt würde. Der Tanz ist eine Schnelligkeitsbewegung, die nach dem Rhytmus der Musik sich vollzieht, und dadurch zu einer Förderungsbewegung erhoben wird. Die Bewegung wird unter dem steten, musikalischen Antriebe eine automatische, traumhafte. Nervenarbeit ist nicht erforderlich, die Arbeit wird zur Lust. Aber gerade hierin besteht auch die Gefahr, denn der Tänzer verliert die Kritik und macht die Schnelligkeitsübung zur Dauerübung und schädigt dadurch Herz und Lunge, zumal wenn in raucherfüllten, geschlossenen Räumen getanzt und gleichzeitig dem Genuße alkoholischer Getränke gefrönt wird. Dazu kommt für die Damen die Schädigung des Korsettpanzers, welcher für dieselben dasselbe bedeutet, als wenn der Ringer mit festangezogenem Leibriemen ringt, oder der Soldat mit festgegürteter Säbelkoppel marschiert. Durch die Beeinträchtigung der Zwerchfellatmung, durch die Einschnürung kommt es leicht zu hohen Graden der Herzerweiterung. Würden diese Schädlichkeiten ausgeschaltet, so könnte der Tanz ein segensreiches pädagogisches Bewegungsmittel sein.
Der heutige Tanz ist leider nicht mehr der Ausdruck überquellender Lebensfreude, sondern ein Erregungsmittel ekler Lüsternheit, er dient nicht mehr der Sittlichkeit, sondern der Unsittlichkeit. Und doch galt ursprünglich der Tanz als ein souveränes Mittel zur systematischen Ausbildung des Körpers, zu Kraft und Schönheit! Eine vollkommene architektonische Schönheit unseres Körpers zu erreichen, sind wir wegen der Abhängigkeit von der ererbten Konstitution nicht immer in der Lage, wohl aber kann jeder Mensch die Schönheit der Bewegung, die Anmut und die Würde, sich erwerben. Die Waffentänze unserer Vorfahren und anderer Naturvölker erforderten und erzeugten Kraft, Geschicklichkeit, Anmut und edle Selbstbeherrschung. Der Tanz der Frauen muß entsprechend ihrer heiligen Mission als Mütter die weiblichen Körper gesund und schön entwickeln. Denn aus ihrem Schoße verlangen wir gesunde und schöne Nachkommenschaft. Ein edles Vorbild dieser Art der Tanzkunst ist die Reformatorin derselben, Miß Isidora Duncan. ([Fig. 19], [20], [21].) Ihre Schule könnte unserem Geschlechte wieder kraftvolle und schöne Frauenindividualitäten, kräftigen und schönen Nachwuchs verschaffen.
IV. Teil.
Körperpflege in den verschiedenen Altersstufen.
Das Kind, vor dem Eintritt in die Schule, bedarf der Schulung der Sinneskraft. Dies geschieht am besten durch Uebung der Naturbetrachtung. Es bedarf ferner der Erhaltung und Förderung seiner mitgebrachten Gelenkigkeit durch möglichst geringe, lose und luftige Bekleidung und durch möglichst große Freiheit der selbstgewollten Bewegungen in gut ventilierten, warmen Zimmern und im Freien bei warmer, sonniger Witterung. Vom vierten Lebensjahre können Ordnungsspiele günstig einwirken. Atmung und Herztätigkeit, sowie ein stetiges Wachstum werden gefördert, die erste Zahnung vollzieht sich ohne Gefahren.
Tafel VIII.
MISS JSADORA DUNCAN
STATUETTE: Prof. W. SCHOTT