f) Blondlot-Strahlen (N-Strahlen).

Hochinteressant sind schließlich die von dem Nancyer Professor Blondlot entdeckten Strahlen, welche er zu Ehren der Stadt Nancy die (N-) Nancy-Strahlen genannt hat. Er fand nämlich bei der Untersuchung der von Röntgen-Röhren abgehenden Strahlen gewisse Strahlen, welche einen schwachen elektrischen Funken verstärken. Wie die X-Strahlen durchdringen sie undurchsichtige Körper z. B. dünne Metallplatten, Holz, Papier, werden aber andererseits durch eine 3 mm dicke Steinsalzschicht oder durch Wasser und andere Substanzen aufgehalten. Sie unterscheiden sich ferner von den X-Strahlen dadurch, daß sie den Gesetzen der Reflexion gehorchen, polarisierbar und refraktibel sind. Diese merkwürdigen Strahlen werden von den meisten Lichtquellen so besonders von der Sonne ausgesandt und von der Mehrzahl der Körper aufgenommen. Sie können durch Kompression eines Körpers hervorgerufen werden; sie werden von Pflanzen und vom Tierkörper ausgesandt. Der menschliche Körper sendet die N-Strahlen in verschiedener Intensität aus je nachdem der Muskel ruht oder sich zusammenzieht, je nachdem ein Nerv oder Nervenzentrum in stärkerer oder schwächerer Erregung ist. Diese Strahlen sind bisher nur zu diagnostischen Zwecken verwendet worden; wie weit sie hygienisch oder für Heilzwecke brauchbar sind ist bisher noch nicht festgestellt.

4. Die Luft in Beziehung zum menschlichen Körper.

Hat sich das Licht in vieler Beziehung als ungemein wertvoll, ja unersetzbar für den menschlichen Körper erwiesen, und haben wir das Licht als diejenige Nahrung kennen gelernt, welche unser Blutorgan fast völlig verschluckt, um daraus ungeahnte Energiemengen im Körper aufzuspeichern und daraus Kräfte der verschiedensten Mächtigkeit zu bilden, so können wir dennoch, wenn auch nur als Sieche, unser Dasein ohne dasselbe fristen. Ohne Luftnahrung aber können wir nur wenige Minuten sein, ohne Luft müssen wir sterben. Diese unterhält alle unsere Lebensprozesse, sie ist also von noch größerer Bedeutung für uns als das Licht.

Die Erde ist von einer Lufthülle umgeben, welche im wesentlichen aus 20,75% Sauerstoff, 78,38% Stickstoff, 0,03% Kohlensäure und 0,84% Wasserdampf besteht, dazu kommen Spuren von salpetriger Säure, Ammoniak, Grubengas und Sonnenstäubchen. Unter letzteren versteht man Kieselsäure, Staub und die mit dem Staub aufgewirbelten Partikeliten der belebten und unbelebten Natur. Wie alle auf der Erde befindlichen festen oder flüssigen Körper wird auch die Luft von der Anziehungskraft der Erde festgehalten. Die Luft übt demnach einen Druck auf die Oberfläche der Erde und ihre Bewohner aus; dies ist der sogenannte Luftdruck, der mit einem Gewicht von 5 Trillionen Kilogramm auf die Erde drückt. Dieser Luftdruck zeigt infolge der hohen Beweglichkeit und Ausdehnungsfähigkeit der Luft unausgesetzt Schwankungen. Ebenso ist der Wassergehalt und der Wärmezustand der Luft in stetiger Veränderung. Den Einfluß der Sonnenstrahlung haben wir ja bereits kennen gelernt.

Aber wir leben ja nicht nur in durchsonnter, sondern auch in durchfeuchteter, durchwindeter, heißer, warmer und kalter Luft in ihren verschiedenen Kombinationen.

Ihr Verhältnis zum menschlichen Körper verstehen wir am besten, wenn wir erstens die verschiedenen atmosphärischen Einflüsse und zweitens die Funktionen desjenigen Organs kennen, welches uns von derselben abschließt und wiederum mit ihr verbindet, nämlich des Hautorgans.

Die Luft äußert eine mehr oder weniger starke Wärme- resp. Kältewirkung.

Diejenige Luft, welche höhere oder niedrigere Temperaturen, als die augenblickliche Hauttemperatur hat, wirkt als ein Reiz von der Oberfläche aus, ruft die sogenannte Reaktion hervor. Je größer die Reizwirkung ist, d. h. je mehr die Lufttemperatur von der Hauttemperatur sich entfernt, um so stärker ist auch die Reaktion von seiten des Körpers.

Diese Reizwirkung ist für den Kältereiz eine etwas andere als für den Wärmereiz. Beide reizen die Empfindungs- und die Gefäßnerven; leiten den Reiz zu den nervösen Zentralorganen und wirken von dort aus umstimmend und verändern daselbst den Blutumlauf, sie verändern reflektorisch die Peristaltik im Verdauungsapparat und die Tätigkeit der Eingeweide, sie beeinflussen die Herz- und Gefäßarbeit, sie verändern Atmung und Körpertemperatur, kurzum sie wirken von der Oberfläche aus reflektorisch in die Tiefe auf alle Organe. Ist diese Reizwirkung eine vorübergehende und der Kraft des Körpers individuell angepaßte, so wird die Anregung zu erhöhter Lebensbetätigung die Folge sein, ist der Reiz ein mehr gleichbleibender, nicht wechselnder oder für die Reaktionskraft zu starker in seiner Höhe oder seiner Dauer, so wirkt er ermüdend, abspannend, erschlaffend und lähmend. Bei fortdauernder Wärmewirkung wird der Körper von der Oberfläche aus mehr und mehr mit Wärme geladen bis zur vollkommenen Wärmestauung, auf welche der Körper dann mit erhöhter Verdunstung des Körperwassers und mit Schweißausbruch antwortet und damit den Ausgleich zur Norm anstrebt.