6. Beeinträchtigung der Arbeitsleistung des Hautorgans durch die Kleidung.
Bedenkt man alle diese wichtigen Lebensfunktionen des Hautorgans, die der Atmung, der Trockenlegung der Gewebe, der Entgiftung, der Kühlung und der Heizung, sowie schließlich der Wettereinstellung des Körpers, so versteht man leicht, daß ein Aufhören ihrer Funktion gleichbedeutend mit dem Aufhören des Lebens ist. Ja es braucht nicht einmal die Gesamtoberfläche der Haut, sondern nur ein größerer Bezirk derselben funktionsunfähig gemacht zu werden, wie dies so häufig bei oberflächlichen Verbrennungen statt hat, und der Tod tritt ein.
Jede Behinderung der Hautfunktion führt zu Störungen der Körperfunktionen in mehr oder weniger hohem Grade, so unter andern auch durch unsere moderne Bekleidung.
Es ist experimentell von Schierbeck nachgewiesen worden, daß je mehr der Körper bekleidet ist, um so mehr die Wasserdampfabgabe desselben eingeschränkt wird. Damit ist aber bewiesen, daß durch die Kleidung die Drainage- und Entgiftungsfunktion des Hautorgans, sowie die der Wärmeregulation nicht unwesentlich beeinträchtigt wird. Es steht wissenschaftlich ferner fest, daß der unbekleidete Körper, weil die Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, durch Leitung nur ganz geringe Mengen Wärme verliert, dagegen durch Strahlung dreimal mehr. Dieser Wärmeverlust durch Strahlung ist jedoch nicht so bedeutend, als man von vornherein annehmen sollte, weil ja die Luft 20-25mal schlechter Wärme leitet als das Wasser.
Erst die durchfeuchtete Luft leitet besser und steigert den Wärmeverlust durch Strahlung, welcher aber nach Prof. Rubner durch Bestrahlung der Sonne selbst bei geringem Hochstand derselben in reichlichem Maße kompensiert wird.
Die durchsonnte Luft kompensiert also den eventuellen Nachteil der Luftdurchfeuchtung.
Bei feuchter Luft, selbst wenn dieselbe von stärkeren Niederschlägen begleitet ist, hat der nackte Körper außer dem Schutz der Sonnenbestrahlung noch den der Fettigkeit der Haut. Denn dieselbe sorgt dafür, daß z. B. der Regen schnell an ihr abfließt, und der Körper so vor zu großen Wärmeverlusten bewahrt bleibt.
Durchwindete Luft schützt bei mittleren und höheren Temperaturen den unbekleideten Körper vor zu großen Wasserverlusten und läßt Temperaturen, die die Körpertemperatur übersteigen, leichter ertragen.