Zur Anleitung, die Dickenverhältnisse des Körpers zu messen, diene nebenstehende Maßfigur und folgende Erläuterungen.
Wade, Hals und der gespannte Oberarm sollen gleich dick sein; der Umfang der Faust ergibt die Größe des Herzens.
Fig. 39. Die Dickenverhältnisse des Körpers.
Der Brustumfang, gemessen in der Höhe der Brustwarzen, soll mindestens die Hälfte der Körperlänge betragen. Der Unterschied der Brustmaße bei tiefster Ein- und Ausatmung soll mindestens 8 cm groß sein.
Bei ausgewachsenen Männern beträgt der Tiefendurchmesser oben 16,5 cm, unten 19,2 cm; der Breitendurchmesser 26 cm. Beide Brusthälften sollen gleich groß und gleichmäßig erweiterungsfähig sein.
Zahl der Atmungen in der Minute 16-20; Zahl der Pulsschläge bei Kindern 100-140, bei Erwachsenen 60-80, bei Greisen 70-90. Die Pulsschläge müssen regelmäßig sein.
Zur Bestimmung der Längenverhältnisse des Körpers diene der Proportionsschlüssel nach C. Schmidt und G. Fritsch.
Bereits im Altertum hat man Proportionslehren aufgestellt. Auf naturwissenschaftlicher Grundlage entwickelte in neuerer Zeit C. Carus eine solche, indem er die „freie” Wirbelsäule (= Hals- + Brust- + Lendenwirbelsäule) zum Ausgangspunkt der Vergleichung nahm. Der Maler X. Schmidt nahm die Beckenwirbelsäule als vierten Abschnitt hinzu und Prof. G. Fritsch verbesserte diese Methode. Dieselbe hat die Vorzüge der Einfachheit der Konstruktion, Exaktheit der Messung und leichten Berechnung. Mit Hilfe dieses Proportionsschlüssels kann man leicht an der Photographie eines lebenden Körpers die Proportionsfehler ablesen.
Das bestimmende Grundmaß (= modulus) ist die Länge der Wirbelsäule, gemessen vom unteren Rand des Nasenstachels bis zum unteren Rande der Schamfuge beim Mann, bis zum oberen Rande derselben beim Weibe. Dieses Grundmaß WW1 wird in vier gleiche Teile WB, BM, MN, NW1 geteilt; setzen wir eine 1⁄4 Maßeinheit (Untermodulus) KW nach oben hin an, so erhalten wir die Oberhöhe des Körpers KW1 vom Scheitel bis zur Schambeinfuge, haben also nun 5 gleiche Maßeinheiten. Errichten wir auf der Grenze der 2. und 3. Maßeinheit, in B auf der Oberhöhe KW1 nach beiden Seiten eine Senkrechte von der Länge einer Teil-Maßeinheit, so erhalten wir links den Drehpunkt des linken Schultergelenks Sch.l, rechts den entsprechenden Drehpunkt Sch.r. Konstruieren wir in gleicher Weise in W1 nach links und rechts Senkrechte von der Länge einer halben Teilmaßeinheit, so bekommen wir links den Drehpunkt des linken und rechts den Drehpunkt des rechten Hüftgelenks. Verbinden wir nun die Hüftgelenk- und Schultergelenkpunkte der entgegengesetzten Seiten, so schneiden sich diese im Nabelpunkte N. Ziehen wir weiter von den Schulterdrehpunkten Linien durch den Nasenstachelpunkt W und von K aus Parallelen zu diesen, so erhalten wir das Kopfquadrat K, Gl, W, Gr, dessen quere Diagonale der Gesichts- resp. Kopfbreite entspricht. Konstruieren wir schließlich in der Höhe des oberen Brustbeinrandes, im Grenzpunkt der 2. und 3. Teilmaßeinheit, in B, Parallele zu Sch.l W und Sch.r W, so schneiden diese die Schulterhüftlinien und wir erhalten den linken und rechten Brustwarzenpunkt, Br Wl und Br Wr.