Die Spinngesellschaft war abgesagt worden. Die Gutstochter Hanka war krank.
Fünf Tage schon war das Mädchen allein in ihrer Stube. Eine Magd brachte ihr Essen, das fast immer unberührt zurückkam. Tee wollte die Kranke nicht trinken; alle Hilfsmittel verschmähte sie.
Am sechsten Tage schlich sich die alte Wičaz bei Hanka ein. Das Mädchen wollte anfangs nichts von ihr wissen; aber schon nach einer Viertelstunde lagen die Wahrsagekarten ausgebreitet auf dem Tisch. Hanka sah mit großen Augen vom Bett her auf die Alte. Ihr Gesicht war in der kurzen Zeit blaß und schmal geworden.
»Wuše stupaš, dale widžiš«, begann die Alte; »je höher du steigst, je weiter du siehst.«
Dann machte sie eine lange Pause, bohrte die grauen Augen in die Kartenbilder, fuhr mit den gelben, knochigen Fingern darüber, zuckte mit den Lippen.
Dann sprach sie:
»Ich sehe zwei junge Adler und ein junges Adlerweibchen. Der eine Adler kommt an das Nest des Weibchens, kreischt es an und hackt es mit seinem scharfen Schnabel, daß es blutet. Dann fliegt er fort und paart sich mit einer Krähe. Und sie fliegen bis an den Lóbjofluß. Da werden sie erschossen und sinken ins Wasser. Der andere Adler gewinnt das Adlerweibchen, und sie bauen sich ein gutes Nest auf dem höchsten Baume und verjagen alle Krähen. Wuše stupaš, dale widžiš. Je höher du steigst, je weiter du siehst.«
Hanka hörte der Alten staunend zu.
»Woher weißt du das?«