»Doch! Und es war auch so ein Abenteuer mit einem Schulmeister. Ich ging damals noch in die Schule und saß auf der Schulbank. Das heißt, es sah nur so aus, als ob ich dort säße. In Wirklichkeit spukte ich. Denn der Mensch besteht aus Leib und Geist. Und mein Geist, der war nicht mit in der Schule, der war im Walde und fing mit Sprenkeln Rotkehlchen. Da fing plötzlich der Schulmeister an zuzuhauen. Aber er hieb nicht auf den Geist ein, sondern der Leib bekam die Hiebe persönlich. Grün und blau war er aber auch.«

Kito wird ein alter Narr genannt und ausgescholten. Teufelsgeschichten kommen an die Reihe: wie der Teufel Asche in Gold verwandelte, wie er als dreibeiniger Hase herumhüpfte, wie er mit zwei schwarzen Ochsen die Spree pflügte und die Ochsen immer so ungebärdig hin und her sprangen, daß die Spree ganz krumm geworden ist.

Und mit scheuen Augen erzählt eine von dem Mädchen, das im Rautenkranz zur Kirche ging und mit Rosen geschmückt auf einem Stuhl vor dem Altar saß. Da kam plötzlich ein Kind vom Altar her, setzte sich dem Mädchen auf den Schoß und sagte: »Ich will bei meiner Mutter sein!« Da gestand die erbleichende Braut, daß sie heimlich ein Kind geboren und getötet habe. Und das Kind nahm die Seele ihrer Mutter mit. Die Braut fiel tot vom Stuhl, der Rosenkranz aber flog auf den Kirchhof hinaus. Dort wuchs ein großer Rosenbusch, der noch heute zu sehen ist. Und das ist in Gahlen geschehen vor zweihundert Jahren.

Lauter schaurige Geschichten erzählen die Mädchen, indes der Wind an die Scheiben poltert und das Feuer im Herde knistert.

Wißt ihr die Geschichte von dem Schatz im Totenkopf? Wißt ihr, wie der Tod in Luckau den Dreißigjährigen Krieg vorhergesagt hat?

Wer weiß die Geschichte von dem Riesen, der ein dreieckiges Gesicht hatte? Er hat viel Übles getan. Die kleinen Ludki haben ihn im Schlaf erschlagen. Und er wurde begraben, aber er spukte in jeder Nacht, und alle Leute fürchteten sich sehr. Da haben die Leute die Leiche des Riesen ausgegraben, ihr einen Nagel in den Kopf und einen Pfahl durchs Herz getrieben, und dann hatten sie Ruhe.

Von brennendem Feld wird erzählt, von weißen Männchen, von dem unglücklichen Mädchen, das der Nix in sein Wasserschloß holte, von der Mittagsgöttin, die allen denen mit der Sichel den Kopf abschneidet, die sie zur Mittagszeit im Felde trifft und die ihre vielen Fragen nicht beantworten können, von unverwundbaren Wölfen, gespenstigen Kälbern.

»Heda! Kito, der Swinigel, sucht dem Hunde Flöhe ab!« Die Mädchen kreischten, sprangen auf, traten zurück.

»Was schreit ihr?« sagte Kito gemütlich. »Eure Geschichten sind so blutig, daß ich mir dazu eine blutige Arbeit gesucht habe.«

Die Mädchen schimpften alle auf ihn ein. Er sei ein unerhörter Swinigel. »Pfui, pfui!«