Aber zwischen alles schwere Leid und alle Erwartung mischte sich immer der Königsgedanke. Der Königsgedanke war im ganzen Haus – bei der Frau als die stolzeste Erinnerung ihres entfliehenden Lebens, bei dem Manne und bei allen Wenden in Haus und Hof.

Es war die Gewißheit, hier geschehe etwas anderes, Größeres, als wenn sonst eine wendische Frau starb.

Die Frau des Kral starb, die heimliche Königin der Wenden schied aus dem Leben.

Dieser Gedanke ging durchs Dorf: der alte Briefträger trug ihn über die Heide; ein Händler fing die Kunde auf und trug sie weiter; am Ackerpflug, am Webstuhl wurde er besprochen, und bald sagten sich die Schiffer und Fischer drunten im Niederland an der Spree wie auch die Schafhirten im Oberlande heimlich und scheu: »Die Frau des Kral stirbt!«

Als dieser Abend weiter vorschritt und der Nachtwind ans Fenster klopfte, schrie die Frau auf:

»Oh – der Nachtjäger!«

Die Mägde stürzten mit neuem Tee herbei, mit Wohlverleih und Schwarzwurzel, die da gut sind für die Wunden, und sie brachten Bitterklee gegen das Fieber.

Im Wundfieber sprach die Frau vom König der Wenden. Wirr waren ihre Worte: vom verblühten Flieder sprach sie, von der ledernen Brücke, von toten Kindern und vom Spinnen und Weben – abgerissene, harte Worte vom Untergang, und dann lachte sie dazwischen, rief nach Juro und Samo, gab Befehle für die Milchwirtschaft und kam wieder auf den Kral und sprach von einer silbernen Schaufel, von einer weißen Wolke und einem weißen Fisch …