»Ich bitte um Verzeihung, verehrtes Fräulein«, sagte er dann; »ich bin ja hierzulande nicht fremd, aber ich kann mir die Abzeichen der Wendentracht partout nicht merken. Wollen Sie mir sagen, meine Gnädigste, ob ich den Herrn Scholta sprechen kann?«

»Da kommt er schon.«

Der wendische Großbauer und der deutsche junge Edelmann traten sich gegenüber. Heinrich geriet in Verlegenheit, aber dann nahm er all seinen Schliff zusammen und sagte:

»Herr Scholta, ich erlaube mir, Ihnen namens meiner Familie einen Kondolenzbesuch abzustatten und Ihnen anläßlich des Hinscheidens Ihrer Frau Gemahlin unser herzlichstes Beileid auszudrücken. Mein alter Herr würde dieser traurigen Pflicht selbst nachgekommen sein, aber er ist noch verreist. Wollen also mit dieser Stellvertretung gütigst vorliebnehmen.«

Auf diese geschniegelte Rede hin wußte der alte Wende nichts zu sagen. Er nahm verlegen seine Kappe ab und sagte:

»Ja – ja, die Frau ist gestorben!«

Darauf wußte wieder Heinrich von Withold nichts zu sagen. Und so entstand eine peinliche Pause. Zum Glück kam Juro aus dem Hause. Heinrich eilte auf ihn zu, umarmte ihn, küßte ihn und drückte ihm dann warm die Hände.

»Alter Junge, das hat mir aber scheußlich leid getan!« sagte er bewegt.

Nach diesem studentischen Freundschaftsausbruch besann er sich aber gleich wieder auf seinen höflichen Ton und erklärte Juro:

»Ich habe mir erlaubt, dem Scholta, deinem alten Herrn, anläßlich des Hinscheidens deiner Frau Mutter die Kondolation unserer Familie zu überbringen.«