»Die kann ich euch nicht geben. Die ist ein ganz seltsamer Vogel. Ich habe sie auf der Judasweide gefangen. Dort hatte sie ihr Nest. Und sie ist eine verwunschene Prinzessin.«
Wir Jungen versuchten, ein ungläubiges Gelächter anzuschlagen, aber es klang ganz meckrig, und wir sahen mit Unbehagen auf den Vogel, der plötzlich auf uns zukam, so daß wir einige Schritte zurückwichen. Die Dohle funkelte uns mit ihren Äuglein an, schlug mit den beschnittenen Flügeln und schrie: »Beatrice! Beatrice!«
Da sagten wir schnell: »Guten Abend« und gingen davon. Der Förster kam uns nach.
»Ich sehe es ja ein, daß ihr die Dohle durchaus haben wollt,« sagte er; »aber es würde euch nichts nützen, wenn ich sie euch schenkte, denn sie würde euch trotz ihrer beschnittenen Flügel entwischen. Wollt ihr die Dohle haben und behalten, so müßt ihr in die Judasweide abends in der Dämmerung einen Nagel einschlagen. Einer muß den Nagel halten, der andere muß hämmern.«
Darauf sagten wir, wir hätten es uns überlegt: eigentlich wüßten wir gar nicht recht, was wir mit einer Dohle anfangen sollten. Er, der Förster, brauche eigentlich einen solchen Vogel viel notwendiger als wir.
Der Förster spuckte auf den Boden, uns gerade dicht vor die Zehen, und sagte: »Wenn ich nicht wüßte, was ihr für mutige und kluge Kerle seid, würde ich denken, ihr fürchtet euch. Aber damit habt ihr recht, daß ich den Vogel notwendig brauche.«
»Wozu brauchst du ihn denn?« fragte ich neugierig.
»Zum Geschichtenerzählen.«
»Zum Geschichtenerzählen? Ei, wieso?«