Da war also zunächst die Stadt
Ameisenfeld.
Sie war 90 Quadratmeter groß und hatte nach der letzten Volkszählung 567319 Einwohner. Deshalb zählte sich Ameisenfeld mit Recht zu den Großstädten. Die Bewohner von Ameisenfeld waren berühmt durch ihren Fleiß und ihre Betriebsamkeit. Sie beschäftigten sich damit, sich zu ernähren und Eier zu legen. In ihren freien Stunden prügelten sie sich. Ob dieser Eigenschaften galten die Ameisenfelder im ganzen Lande nicht nur als sehr fleißig, sondern auch als sehr intelligent. Man erzählte sogar, daß ein großer Prophet unter ihnen erstanden sei, der folgende tiefsinnigen Lehren aufgestellt hatte:
»Wenn dir ein Hölzlein zu schwer zu tragen ist, nimm dir jemand zu Hilfe!«
»Wenn dir eine Blattlaus süßen Saft gibt, der dir sehr wohlschmeckt, dann beiße sie nicht tot.«
»Wenn dir jemand irgendwie nicht paßt, so bespritze ihn mit einem ätzenden Saft, damit er schnell Reißaus nehme.«
Das waren die Grundsätze, nach denen die Ameisenfelder fortan lebten. –
Es geschah aber, daß eines Tages ein Igel durch das Stadttor von Ameisenfeld, das durch die Blätter einer großen Schwarzwurz gebildet wurde, einzog und Quartier begehrte. Der Bürgermeister der Stadt ließ sich schnell von seinen sieben Stadträten die Fühler abputzen und ging dem großen Gaste entgegen. Als er ihn sah, knickte er vor lauter Ehrfurcht mit allen sechs Beinen vor ihm ein: und sagte:
»Hoher Herr, dir unsere Gefühle ob deines Einzugs in unsere Stadt auch nur annähernd zu schildern, geht leider über meine Kraft. Was uns vor allem bewegt, ist tiefe Beschämung. Denn siehe, Ameisenfeld ist nur eine Fabrikstadt. Unsere Straßen sind bestreut mit dem Schutt der Arbeit. Anlagen haben wir keine, außer einer Distelplantage und einem kleinen Gundermannwäldchen. In deren Schatten würdest du dich nicht wohlfühlen. Und es fehlt uns leider auch an einem geeigneten Palast für dich.«