»Was sollste sagen? Daß der's leid tut? Das wird er nich glauben. Er wird bloß einen Gift auf der haben. Wirst ihm eine Ansichtskarte schicken, wenn se dort nich zu teuer sind.«

Im Fiebertraum war der kleine Heinrich immer in den Bergen. Er ging auf die Jagd, fischte, kämpfte mit Rittern und Räubern. Manchmal lachte er zwischen dem Röcheln und Stöhnen seiner Schmerzen selig auf.

Und einmal, als er einige Minuten unbewacht war, sprang er aus dem Bett, öffnete das Fenster, streckte die Arme aus und wollte hinaussteigen und mitten durch die Luft ins grüne Land wandern. Die Mutter erfaßte ihn noch, und es war ein Wunder, daß kein Rückschlag der Krankheit eintrat.

In der vierten Ferienwoche, als Heinrich schon auf dem Wege der Genesung war, bekam er einen Brief von Moritz Cohn:

Eulenhausen, den …

Die Ansichtskarten sind hier schlecht und teuer. Den Briefbogen hat der Wirt umsonst hergegeben, und die 10 Pfennige auf die Marke kannst du mir einmal wiedergeben, wenn du wirst Geld haben.

Lieber Heinrich, Räuber und Hechte gibt es hier nicht. Es ist überhaupt nichts los, nichts wie lauter Buschwerk, Kühe, Stallmägde und Heuwiesen. Die anderen helfen auf dem Felde; ich bin zur Erholung hier. Ein paarmal war ich beim Kaufmann, welcher Krämer heißt. Es ist ein jammervolles Geschäft. 3 Mark 50 Pfennig Losung hat der Mann einmal auf den ganzen Tag gehabt. Ich wundere mich, wo er den Kredit hernimmt. Der Laden hat zwar eine gute Lage, aber Eulenhausen ist überhaupt kein Geschäftsort. Für Zucker nimmt der Mann bloß 2 Prozent, und wieviel wiegt er ein!

Lieber Heinrich, da du so gern nach Eulenhausen willst, so habe ich an meinen Vater geschrieben. Wir werden's machen! Ich habe mit dem Wirt gesprochen. 30 Mark bekommt er pro Mann (da kommt er gut auf seine Rechnung). Für dich wollte er auch 30 haben. Da habe ich ihn ausgelacht: »Spaß,« habe ich gesagt, »30 Mark, wo die Ferien vorbei sind, und es ist bloß die lumpige Nachsaison.« 12 habe ich ihm geboten. Er hat gelacht und hat noch hin- und hergeschmust, und für 15 will er's machen. Der Lehrer hat mich auch ein bißchen unterstützt. Aber mit der Ferienkolonie ist das nun vorbei, die zahlt nicht. Da macht's mein Vater. 15 Mark kostet es, mit Reisespesen 18 Mark. Da hat sich der Vater mit sechs anderen zusammengetan, von denen gibt jeder einen Taler. Du kannst also, wenn du gesund sein wirst, vier Wochen hierher kommen; im September ist noch das schönste Wetter.

Es grüßt dich Dein Freund