Langsam trat er ans Fenster. Der Mond war aufgegangen, und in seinem halbhellen Licht lag drunten das Dorf. Der Kirchturm ragte deutlich in die Luft.

Dort unten, ganz nahe am Turme, lag Hermann Raschdorf die erste Nacht! Er lag unter gefrorenen, harten Schollen in einem dünnen Totenhemd, und seine Nachbarn zur Rechten und zur Linken waren Tote, Leute, die schon lange dort unten schliefen. Wie still das dort sein mußte! Nur die Würmer bohrten an Holz und Knochen, und zuweilen brach ein Sargdeckel. Dann senkten sich die Schollen und – drückten schwer.

Schräger fröstelte und trat vom Fenster zurück.

Er war ein Narr, sich so schwere Gedanken zu machen. Zu ändern war nichts. So setzte er sich auf den Bettrand und legte sich auf die Kissen nieder. Aber kein Schlaf kam über seine Augen. Er sah immer in das rote, leise singende Licht. Als wenn das Licht blutete und wimmerte, so war's.

Schräger schloß die Augen. Warum dachte er immer an Raschdorf? Er war fort. Er konnte ihm nichts anhaben. Kein Haar konnte er ihm krümmen. Und bis dahin, daß er auch hinunter müßte, war's lange hin. Dann war der andere längst zu Staub zerfallen.

Da schlich draußen etwas heran. Schräger lauschte. Es kam näher – stockte – war still. Aber jetzt kam's wieder – es stieß an einen Stuhl und war wieder still. Dann ächzte es deutlich vor der Tür.

Schräger richtete sich halb auf. Kalter Schweiß trat auf seine Stirn. Steif und lahm stützten sich die Hände auf die Kissen.

Da ächzte es wieder draußen.

Und jetzt tastete es an die Tür und klinkte langsam auf.

»Was? Wa–as? – – – Ah – Du – Gustav! – Was willst Du?«