Nach langer Zeit, als sie sich etwas beruhigt hatten, sagte Berger:
»Es war unrecht, Heinrich! Das dumme Ding quatscht bloß nach, was ihr die Leute vorreden. Aber, Heinrich, ich war ein großer Esel. Du hast recht, die dürfen Deine Mutter nicht tragen. Sie sind zu schlecht!«
Der Knabe wandte ihm den Rücken und stand in finsterem Groll und in furchtbarem Nachgrübeln zitternd da. Berger betrachtete ihn und ahnte, was in dieser Seele vorging. Da sagte er mild:
»Heinrich, komm einmal mit zur Mutter!«
In der kleinen Stube stand der Sarg. So friedlich lag die verklärte Frau auf den weißen Kissen. Laut aufschluchzend kniete Heinrich am Sarge nieder. Mathias Berger stand da mit gefalteten Händen, lange – in stummer Betrachtung. Das war ein tiefes Glück, daß er so ruhig hier stehen konnte.
»Heinrich,« sagte er leise, »ich hab' Deine Mutter sehr lieb gehabt, aber küssen tu ich sie jetzt das erste Mal.«
Und er beugte sich über den Sarg und küßte die lächelnde Tote.
Dann faßte er den Knaben an der Hand und führte ihn hinaus. Und Heinrich schmiegte sich fest an ihn an.