Drüben im Buchenhofe hatte Heinrich Raschdorf die Stenzeln wohl gesehen. Am Fenster hatte er gestanden, oben in seinem Zimmer. Als wenn er das Fieber hatte, so hatte es ihn geschüttelt. Ein paarmal war er nach der Tür gegangen, aber immer wieder umgekehrt; ein paarmal hatte er die Hand am Fensterwirbel gehabt, aber doch nicht geöffnet.
Dann, als sie fort war, hatte er sich auf sein Sofa geworfen. Er war tief unglücklich. Eine schwere Verachtung gegen sich selber bäumte sich in seinem Herzen auf. Er war kein Mann, kein Charakter, er hatte keinen Willen. Warum ging er nicht? Warum fragte er nicht die Stenzeln? Warum hielt er sein Versprechen nicht?
Warum? Er durfte nicht; es ging gegen sein Gewissen. Er mußte diese Liebe ausrotten mit Stumpf und Stiel; er durfte ihr nicht die mindeste Nahrung geben.
Denn es war unmöglich! Ganz unmöglich!
Die Heimat, die er noch gehabt hatte, würde er verlieren, die wenigen Menschen, die treu und ehrlich zu ihm hielten, würde er sich entfremden, und er würde auch ihnen die Heimat nehmen.
So mußte er sich opfern, sich und – sie.
Sie? Nein, sie nicht! Sie wußte nichts von Liebe. Wenn ihr Fuß geheilt war, war sie wieder ganz gesund.
Aber unglücklich war sie auch, das hatte sie gesagt.
Der junge Buchenbauer verbrachte eine Nacht voller Kämpfe.
Er wollte sich rasch und stark durchringen zur Gerechtigkeit und zum Frieden. Der junge, weiche Mann! Er wußte nicht, was solche Kämpfe bedeuten, die Kämpfe, die alle Menschen mit klugem Kopf oder mit weichem Herzen zu bestehen haben, und bei denen der Sieg gar nicht kommt oder oft spät, wenn schon viele Wunden geschlagen sind.