»Lene! Du – Mädel – Du?«

Die Geschwister lagen sich in den Armen und küßten sich innig.

»Lene, was willst Du, was willst Du heute? Du hast doch morgen Hochzeit.«

»Ja, und ich komme Dich holen. Du mußt dabei sein, Du mußt! Ohne Dich mach' ich nich Hochzeit. Ich hab' keinen Vater, keine Mutter, keine Schwester, bloß ein'n einzigen Bruder, und der – der will auch noch nich mit mir in die Kirche gehn?«

»Lene, ich kann ja nicht, ich kann ja nicht –«

»Du kannst, und Du mußt auch! Im geschloss'nen Wagen fahr'n wir nach Hause, im geschloss'nen Wagen fährst Du mit in die Kirche; sie sieht Dich nicht, sie sieht keine Spur von Dir, und nach der Trauung kannst Du ja bald wieder fort.«

»Aber Lene, heute kommst Du, heute?«

»Ja! Vormittags sind wir auf dem Standesamt gewesen, und dann bin ich gleich nach Breslau.«

»Aber Mädel, warum kommst Du denn gerade an Deinem eigenen Polterabend?«

»Daraus mach' ich mir nichts, und wenn ich früher gekommen wär', hätt'st Du Dir's wieder noch anders besonnen. Jetzt mußt Du mit, jetzt nehm' ich Dich bald mit.«