Eine furchtbare Nacht kam, eine Nacht voll Qual und Gewissensangst und Furcht. Aber doch lebte in diesem schmerzzerrütteten, todgeweihten Mann die Hoffnung, es würde leichter und besser sein, wenn er die Last von seinem Herzen abwälzte.

Gegen Morgen schrieb Lotte an Heinrich: »Mein schwerkranker Vater läßt Sie bitten, ihn vor Ihrer Abreise auf wenige Minuten zu besuchen. Charlotte Schräger.«

Schräger ergriff ihre Hand.

»Wirste dabei sein, Lotte, Kind – mei einziges, wirste dabei sein, wenn ich – wenn ich's ihm sag'? Sonst bring' ich's nich raus – sonst verzweifele ich!«

»Ja, ich werde dabei sein!«

Das sagte sie leise, aber fest.

Am Morgen ging die Stenzeln mit dem Brief nach dem Buchenhofe. Nicht lange, so kehrte sie mit der Antwort zurück.

»Ich reise sofort nach der Trauung meiner Schwester wieder ab und kann Ihren Vater, dem ich gute Besserung wünsche, nicht besuchen. Heinrich Raschdorf.«

Sie las es dem Vater vor. Der starrte sie mit weitgeöffneten Augen an. Dann lallte er:

»A kommt nich? A kommt nich?«