Unter den grossen und kleinen Königen, welche alle Länder der vier bekannten Welttheile als eine natürliche Erbschaft großmüthig unter einander vertheilen, lebte Jakob der Friedsame. Sein Reich war so groß, daß er es übersehen konnte, um alle seine Unterthanen zu beglücken. Das Volk und der Monarch wünschte zu ihrer Glückseligkeit nur noch einen Thronerben. Die Königin näherte sich eben dem glücklichen Zeitpunkt ihrer ersten Entbindung.
Monolog.
König Jakob, indem er aus dem Schlafgemach der Königin trit.
So wahr ich König bin! Mein Sohn soll nicht Alexander, nicht Cäsar, nicht Sesostris heissen! — Schenkt mir die Königin eine Tochter; so mag sie ihr einen schicksamen Namen beylegen; aber der Name eines Sohnes ist mir als Vater und König nicht so gleichgültig. Es liegt oft im Namen gleichsam eine Weissagung. Wie soll ich also diesen sehnlich gewünschten Gast nennen? — Hahaha! Was dem guten Weibe beyfällt, Alexander. Hahaha! — Eh soll er mir Nero und Attila, wo nicht gar Kartusch heissen! So weiß die Welt, was sie von ihm erwarten soll. Gesetzt ich gebe dem Kinde den Namen Adam — Nein! Dieser Name ist mit schwarzen Gedanken vom Fluche der Erde verknüpft. Adam war der erste Ehrgeizige! — Ich wünschte einen gutherzigen lächelnden Namen — Willhelm — Pfui! So heißt mein unruhiger Nachbar! — Eduard, Ha! Das Wort klingt sanft. Eduard, ja Eduard soll mein geliebter Sohn genannt werden.
Dialog.
König Jakob, Alsin, hernach ein Höfling.
Jakob. Was bringt mein getreuer Alsin.
Alsin. Einen freudigen Glückwunsch! Die Königin wird Eure Majestät bald mit dem schönsten Ehrennamen Vater begrüßen.
Jakob. Dank dir, mein Freund!
Alsin. Betrachten Eure Majestät das seltsame Nordlicht! Ich staunte schon einige Stunden über diese wunderbare Lufterscheinung. Das Volk zieht große Vorbedeutungen daraus, und ein Schwärmer rief in meiner Gegenwart: Es wird ein zweyter Alexander gebohren! Der Pöbel bleibt immer Pöbel.