Edu. Eine Welt ist dem Ehrgeiz zu klein.
Der Weise. Die Sonne ist neunmahlhunderttausendmal grösser, unser Ehrgeiz ist also minder beschränkt.
Edu. Ehe ich dich verlasse, sollst du eine Gnade von mir fodern.
Der Weise. Ich befinde mich jetzt in der Lage eines Diogenes; Der cynische Weltweise hat dem grossen Alexander, wie mir däucht, als ein stolzer Narr geantwortet. Ich sage Eurer Majestät für ihre Gnade Dank. Ich habe meine wenigen Bedürfnisse so nach der Natur beschränkt, daß ich in der That nicht geschwind wüste, was ich wünschen sollte. Alles was mir Könige geben können, ist mir entbehrlich; und alles, was ich wünsche, haben die Könige nicht. Doch in Eurer Majestät Staaten leben viele meiner bedürftigen Brüder; giessen Sie ihre Wohlthaten auf die Armuth aus, und vergrössern Sie meine Glückseligkeit, indem ich höre, daß die Armen erquickt sind.
Edu. Deine Bitte ist schön! —— Du bist menschlicher als Diogenes.
Der Weise. Und du gütiger als Alexander!
Roman.
Es war Friede, und Eduard überließ sich den Freuden der Liebe. Sein Hof war der Sammelplatz des schönen Geschlechtes, und die artigsten Liebesgeschichten waren täglich der Gegenstand der lächelnden Kreise. Der König wurde von den Gunstbezeugungen der wohlthätigen Grazien zu sehr überhäufet, und wünschte einmal das seltne Vergnügen zu fühlen, nicht als König, sondern bloß als Liebhaber zärtlich geliebt zu seyn. Ein Zufall gab ihm, was er lange vergebens wünschte, eine Geliebte, die ihn selbst, und nicht seinen Stand liebte.
Eduard hatte einer seiner Freundinnen ein niedliches Landhaus gekauft, das er oft verkleidet besuchte. Es stand in einer Gegend, wo auf malerischen Hügeln einige Lusthäuser zerstreut lagen. Eines Tags spazierte er ganz allein, und beschaute alle benachbarten Gärten. Er sah einen, dessen angenehme Aussicht ihn entzückte. Er fand eine kleine Thüre offen. Er schlich durch das Gegitter, trat in die Ebne, und weidete sein Auge an den zierlichen Blumenbeeten. Er durcheilte den ganzen Garten, ohne jemand zu finden. Plötzlich trat er in eine duftende Laube; freundschaftliche Aeste neigten ihre fruchtbaren Wipfel einander entgegen, und umschatteten ein artiges Rebengeländer. Hier fand er ein schlummerndes Mädchen, das alle Schönheiten übertraf, die er jemals gesehn hatte. Sie fuhr beym Geräusche vom Schlummer auf. Er wich bescheiden zurück, machte ihr die höflichste Entschuldigung, erzählte ihr seine gereizte Neugier, und mischte so artige Schmäucheleyen in sein Gespräch, die sie immer sehr geistreich beantwortete, daß sie einander bezauberten. Die Liebe wirkt rasch. Sie bedarf nur weniger Augenblicke zum Siege, Elisie, so hies die Schöne, führte ihren Liebhaber durch die kleinen Stuffen der Zärtlichkeit, und Eduard liebte, ohne den König blicken zu lassen. Er gab sich für einen Höfling aus, und erfuhr, daß seine Schöne die Tochter Alsanders eines bemittelten Edelmannes war. Izt begann eine geheimnißvolle Liebesgeschichte. Man wechselte Herzen, man bestellte sich zärtlich, und dieses mystische Gepräng hatte für einen siegreichen König besondere Reize.
Eines Tages findet Eduard seine Elisie in Thränen. Er dringt in sie; er späht die Ursache; mit Schluchzen erklärt sie ihm, daß ihr Vater sie an einen Nachbar seinen alten Freund vermählen wollte. Das soll er nicht! Ich befehle, rief Eduard, der den Liebhaber vergaß, und den König zur Unzeit spielte. Er faßte sich plötzlich, er ersann ein Rettungsmittel; keines gefiel. Er schlug ihr die Flucht vor; aber Elisie war tugendhaft. Eine seltsame Lage für einen verliebten König!